Ursachen für Blasenschwäche

Blasenschwäche ist kein unausweichliches Schicksal, das einfach zum Älterwerden gehört – hinter Harninkontinenz stecken immer konkrete Ursachen. Diese zu kennen, ist der erste Schritt zu einer erfolgreichen Behandlung, denn nur wenn man versteht, warum die Blasenkontrolle nicht mehr richtig funktioniert, kann man gezielt gegensteuern. Die Gründe für Blasenschwäche sind vielfältig und reichen von geschwächter Beckenbodenmuskulatur über hormonelle Veränderungen bis hin zu neurologischen Erkrankungen. Oft spielen auch mehrere Faktoren zusammen. Während manche Ursachen wie Schwangerschaften oder Operationen offensichtlich sind, bleiben andere lange unerkannt. Übergewicht, chronischer Husten oder bestimmte Medikamente können die Blasenkontrolle beeinträchtigen, ohne dass Betroffene einen Zusammenhang herstellen. Dieser Text beleuchtet die häufigsten Ursachen für Blasenschwäche und erklärt, welche Faktoren besonders gefährdet sind und was man präventiv tun kann.

Beckenbodenschwäche als Hauptursache

Die mit Abstand häufigste Ursache für Blasenschwäche ist eine geschwächte Beckenbodenmuskulatur. Der Beckenboden ist eine Muskelplatte, die den unteren Abschluss des Bauchraums bildet und die Beckenorgane trägt. Er umschließt die Ausgänge von Blase und Darm und sorgt dafür, dass diese verschlossen bleiben, bis wir bewusst zur Toilette gehen.

Wenn der Beckenboden geschwächt ist, kann er diese Aufgabe nicht mehr zuverlässig erfüllen. Bei plötzlichem Druckanstieg im Bauchraum – etwa beim Husten, Niesen oder Lachen – gibt die Muskulatur nach und es geht Urin ab. Diese Form der Inkontinenz nennt man Belastungsinkontinenz oder Stressinkontinenz.

Schwangerschaft und Geburt

Schwangerschaft und Geburt sind die häufigsten Auslöser für eine Beckenbodenschwäche bei Frauen. Während der Schwangerschaft lastet das zunehmende Gewicht des Kindes monatelang auf dem Beckenboden. Die Hormone sorgen dafür, dass das Gewebe weicher und dehnbarer wird – eine wichtige Vorbereitung auf die Geburt, aber gleichzeitig eine zusätzliche Belastung für die Muskulatur.

Bei der Geburt selbst wird der Beckenboden extrem gedehnt. Je länger die Geburt dauert, je schwerer das Kind ist und je mehr Geburten eine Frau hatte, desto größer ist das Risiko für eine bleibende Schwächung. Auch Geburtsverletzungen wie Dammrisse oder Dammschnitte können die Muskulatur und das Bindegewebe dauerhaft schädigen.

Viele Frauen bemerken bereits während der Schwangerschaft erste Anzeichen von Blasenschwäche. Nach der Geburt bildet sich die Situation häufig zurück – aber nicht immer vollständig. Ohne gezieltes Rückbildungstraining kann eine Beckenbodenschwäche bestehen bleiben und sich im Laufe der Jahre verschlimmern.

Hormonelle Veränderungen in den Wechseljahren

Mit Beginn der Wechseljahre sinkt der Östrogenspiegel. Dieses Hormon ist nicht nur für die Fortpflanzungsfähigkeit wichtig, sondern beeinflusst auch die Elastizität und Durchblutung von Gewebe und Schleimhäuten. Der Rückgang des Östrogens führt dazu, dass die Schleimhäute dünner und trockener werden, das Bindegewebe an Festigkeit verliert und die Muskulatur insgesamt schwächer wird.

Diese Veränderungen betreffen auch den Beckenboden und die Harnröhre. Die Harnröhre wird schlechter abgedichtet, die Beckenbodenmuskulatur verliert an Spannkraft. Deshalb entwickeln viele Frauen erst in oder nach den Wechseljahren eine Blasenschwäche, selbst wenn sie vorher nie Probleme hatten.

Weitere körperliche Ursachen

Neben der Beckenbodenschwäche gibt es weitere körperliche Faktoren, die zu Blasenschwäche führen können.

Übergewicht

Jedes Kilo Übergewicht bedeutet zusätzlichen Druck auf den Beckenboden. Chronische Überlastung kann die Muskulatur auf Dauer schwächen und zu Inkontinenz führen. Studien zeigen, dass bereits eine Gewichtsreduktion von fünf bis zehn Prozent des Körpergewichts die Inkontinenzsymptome deutlich verbessern kann.

Chronischer Husten

Menschen, die rauchen oder unter chronischen Atemwegserkrankungen wie Asthma oder COPD leiden, haben oft einen chronischen Husten. Jeder Hustenanfall ist eine Belastung für den Beckenboden. Über Monate und Jahre summieren sich diese Belastungen und können zu einer Schwächung führen.

Chronische Verstopfung

Auch ständiges Pressen beim Stuhlgang belastet den Beckenboden erheblich. Wer unter chronischer Verstopfung leidet, sollte diese unbedingt behandeln lassen – nicht nur wegen des Unbehagens, sondern auch um den Beckenboden zu schonen.

Operationen im Beckenbereich

Bestimmte Operationen können den Beckenboden oder die Nerven, die Blase und Darm versorgen, schädigen. Bei Männern tritt Inkontinenz häufig nach Prostataoperationen auf, bei Frauen können Gebärmutterentfernungen oder andere gynäkologische Eingriffe die Blasenkontrolle beeinträchtigen.

Neurologische Ursachen

Manchmal liegt die Ursache für Blasenschwäche nicht in der Muskulatur selbst, sondern in den Nerven, die diese Muskulatur steuern. Die Blasenkontrolle ist ein komplexer Vorgang, bei dem Nerven Signale zwischen Blase, Schließmuskeln und Gehirn austauschen. Wenn diese Kommunikation gestört ist, kann es zu verschiedenen Formen von Inkontinenz kommen.

Neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Parkinson, Schlaganfall oder Rückenmarksverletzungen können die Blasenkontrolle beeinträchtigen. Auch Diabetes kann über die Jahre die Nerven schädigen und so zu Blasenproblemen führen. Bei neurologisch bedingter Inkontinenz ist die Zusammenarbeit mit einem Neurologen wichtig, um die Grunderkrankung optimal zu behandeln.

Medikamente als unterschätzte Ursache

Viele Menschen wissen nicht, dass bestimmte Medikamente die Blasenkontrolle beeinflussen können. Wassertabletten (Diuretika) erhöhen die Urinproduktion und können zu häufigem Harndrang führen. Manche Blutdrucksenker, Beruhigungsmittel oder Antidepressiva können die Blasenmuskulatur beeinflussen oder die Wahrnehmung des Harndrangs verändern.

Wenn Blasenschwäche plötzlich auftritt, nachdem ein neues Medikament eingenommen wurde, sollte man dies mit dem Arzt besprechen. Oft gibt es alternative Präparate, die die Blase weniger beeinträchtigen.

Weitere Risikofaktoren

Neben den genannten Hauptursachen gibt es weitere Faktoren, die das Risiko für Blasenschwäche erhöhen:

  • Familiäre Veranlagung zu schwachem Bindegewebe
  • Schwere körperliche Arbeit über viele Jahre
  • Hochleistungssport mit vielen Sprüngen und Erschütterungen
  • Wiederholte Blasenentzündungen, die die Blasenwand reizen
  • Hohes Alter – die Muskulatur wird natürlicherweise schwächer

Was man gegen die Ursachen tun kann

Die gute Nachricht ist: Viele Ursachen für Blasenschwäche können beeinflusst werden. Gezieltes Beckenbodentraining stärkt die Muskulatur und ist bei Belastungsinkontinenz oft sehr wirksam. Moderne Methoden wie der Emsella Stuhl können das Training unterstützen oder ersetzen – durch elektromagnetische Stimulation wird die Beckenbodenmuskulatur intensiv trainiert, ohne dass man selbst aktiv werden muss.

Spezialisierte Praxen wie die Praxis Dr. Dorigoni in München bieten eine gründliche Diagnostik, um die individuellen Ursachen zu identifizieren. Nur so lässt sich eine Therapie entwickeln, die wirklich an der Wurzel des Problems ansetzt.

Gewichtsreduktion, Rauchstopp, Behandlung von Verstopfung oder Husten – all das sind Maßnahmen, die den Beckenboden entlasten und die Blasenkontrolle verbessern können. Auch die Anpassung von Medikamenten in Absprache mit dem Arzt kann helfen.

Blasenschwäche hat immer konkrete Ursachen, und diese Ursachen sind in den meisten Fällen behandelbar. Wer die Hintergründe seiner Inkontinenz versteht, kann gezielt gegensteuern und hat gute Chancen, die Beschwerden deutlich zu verbessern oder sie sogar ganz loszuwerden. Der erste Schritt ist, die Symptome ernst zu nehmen und professionelle Hilfe zu suchen, um den individuellen Ursachen auf den Grund zu gehen.