Beckenboden und Alter

Der Beckenboden ist eine jener Körperregionen, an die die meisten Menschen erst denken, wenn Probleme auftreten. Dabei spielt diese Muskelgruppe eine zentrale Rolle für unsere Gesundheit und Lebensqualität – und das besonders im Alter. Mit den Jahren verändert sich der Körper auf vielfältige Weise, und der Beckenboden bildet da keine Ausnahme. Die Muskulatur wird schwächer, das Bindegewebe verliert an Elastizität, und hormonelle Veränderungen tun ihr Übriges. Die Folge: Blasenschwäche, Inkontinenz und andere Beckenbodenbeschwerden nehmen mit dem Alter deutlich zu. Doch das bedeutet nicht, dass man diese Entwicklung einfach hinnehmen muss. Mit dem richtigen Training, modernen Therapiemethoden und präventiven Maßnahmen lässt sich die Beckenbodenfunktion bis ins hohe Alter erhalten – und damit auch ein großes Stück Selbstständigkeit und Lebensfreude.

Wie der Alterungsprozess den Beckenboden verändert

Der Beckenboden ist eine komplexe Muskelplatte aus drei übereinander liegenden Muskelschichten, die den unteren Abschluss des Bauchraums bilden. Er trägt die Beckenorgane, verschließt Blase und Darm und spielt eine wichtige Rolle für die Körperhaltung. Wie alle Muskeln unterliegt auch der Beckenboden dem natürlichen Alterungsprozess.

Muskelabbau im Alter

Ab etwa dem 30. Lebensjahr beginnt der natürliche Muskelabbau – ein Prozess, der sich mit den Jahren beschleunigt, wenn man nicht aktiv gegensteuert. Der Beckenboden ist davon genauso betroffen wie andere Muskelgruppen. Die Muskelfasern werden dünner, ihre Anzahl nimmt ab, und die Kraft lässt nach. Was in jungen Jahren mühelos funktionierte – den Urin auch beim Husten zurückzuhalten – wird schwieriger.

Besonders ausgeprägt ist dieser Prozess, wenn der Beckenboden über die Jahre stark belastet wurde. Bei Frauen, die Kinder geboren haben, bei übergewichtigen Menschen oder bei solchen, die schwere körperliche Arbeit verrichtet haben, ist die Ausgangsposition oft schlechter.

Bindegewebe und hormonelle Veränderungen

Neben der Muskulatur spielt auch das Bindegewebe eine wichtige Rolle. Es hält die Organe an ihrem Platz und unterstützt die Muskulatur. Mit zunehmendem Alter wird das Bindegewebe schwächer und dehnbarer. Die Folge können Organsenkungen sein – bei Frauen etwa eine Gebärmutter- oder Blasensenkung.

Für Frauen kommt mit den Wechseljahren eine zusätzliche Herausforderung hinzu. Der sinkende Östrogenspiegel hat weitreichende Auswirkungen. Östrogen beeinflusst die Elastizität von Gewebe und Schleimhäuten sowie die Durchblutung. Wenn der Hormonspiegel sinkt, werden die Schleimhäute dünner, das Gewebe verliert an Elastizität, und die Muskulatur wird schwächer.

Diese Veränderungen betreffen besonders die Harnröhre und die Beckenbodenmuskulatur. Deshalb entwickeln viele Frauen erst in oder nach den Wechseljahren eine Blasenschwäche, selbst wenn sie vorher nie Probleme hatten.

Typische Beckenbodenbeschwerden im Alter

Die Schwächung des Beckenbodens im Alter kann sich auf verschiedene Weise bemerkbar machen. Die Symptome reichen von leichten Unannehmlichkeiten bis zu erheblichen Einschränkungen im Alltag.

Harninkontinenz

Die häufigste Folge eines geschwächten Beckenbodens ist Harninkontinenz. Bei älteren Menschen tritt besonders oft die Belastungsinkontinenz auf – dabei geht beim Husten, Niesen, Lachen oder bei körperlicher Anstrengung unwillkürlich Urin ab. Auch die Dranginkontinenz, bei der ein plötzlicher, kaum kontrollierbarer Harndrang auftritt, nimmt im Alter zu.

Studien zeigen, dass etwa ein Drittel der Frauen über 60 und etwa jeder fünfte Mann in dieser Altersgruppe unter Harninkontinenz leiden. Bei den über 80-Jährigen sind es noch deutlich mehr.

Stuhlinkontinenz und Organsenkungen

Weniger häufig, aber besonders belastend ist die Stuhlinkontinenz. Sie tritt auf, wenn die Schließmuskeln des Darms und die unterstützende Beckenbodenmuskulatur so schwach sind, dass sie Stuhl nicht mehr zuverlässig zurückhalten können.

Bei Frauen kann es im Alter zu Senkungen der Beckenorgane kommen. Die Gebärmutter, die Blase oder der Enddarm können sich absenken, wenn das tragende Gewebe und die Muskulatur nachgeben. Dies kann ein Druckgefühl im Unterbauch verursachen und Probleme beim Wasserlassen oder beim Stuhlgang.

Prävention und Training – es ist nie zu spät

Die gute Nachricht ist: Auch im Alter lässt sich der Beckenboden noch trainieren und stärken. Es ist nie zu spät anzufangen, und selbst Menschen, die bereits Beschwerden haben, können durch gezieltes Training oft eine deutliche Verbesserung erreichen.

Beckenbodentraining für Ältere

Gezieltes Beckenbodentraining ist in jedem Alter wirksam. Die Übungen sollten an die körperliche Verfassung angepasst werden. Wichtig ist, dass sie regelmäßig durchgeführt werden – idealerweise täglich.

Für ältere Menschen, die Schwierigkeiten haben, ihren Beckenboden zu spüren oder anzusteuern, gibt es professionelle Hilfe. Physiotherapeuten, die auf Beckenbodentraining spezialisiert sind, können die richtige Technik vermitteln und Übungsprogramme erstellen.

Moderne Therapiemethoden für ältere Menschen

Nicht jeder ältere Mensch ist in der Lage, klassisches Beckenbodentraining durchzuführen. Mobilitätseinschränkungen, kognitive Beeinträchtigungen oder einfach die fehlende Wahrnehmung der richtigen Muskeln können das Training erschweren. Hier bieten moderne Methoden eine wertvolle Alternative.

Der Emsella Stuhl ist eine besonders geeignete Option für ältere Menschen. Man sitzt vollständig bekleidet auf dem Stuhl, der durch elektromagnetische Wellen die Beckenbodenmuskulatur stimuliert. Während einer 28-minütigen Sitzung werden etwa 11.000 Muskelkontraktionen ausgelöst – ohne jede eigene Anstrengung. Die Methode ist schmerzfrei, nicht-invasiv und erfordert keine körperliche Fitness.

Spezialisierte Praxen wie die Praxis Dr. Dorigoni in München bieten solche Behandlungen an und haben gute Erfahrungen mit älteren Patienten gemacht. Viele berichten von deutlichen Verbesserungen ihrer Inkontinenzsymptome bereits nach wenigen Sitzungen.

Weitere Maßnahmen zur Unterstützung

Neben dem eigentlichen Beckenbodentraining gibt es weitere Maßnahmen, die die Beckenbodenfunktion im Alter unterstützen können:

  • Gewichtskontrolle: Übergewicht belastet den Beckenboden zusätzlich. Eine Gewichtsreduktion kann die Symptome deutlich verbessern.
  • Ausreichend Bewegung: Regelmäßige körperliche Aktivität hält die gesamte Muskulatur fit. Geeignete Sportarten sind Schwimmen, Walking oder Yoga.
  • Vermeidung von Verstopfung: Chronisches Pressen schwächt den Beckenboden. Eine ballaststoffreiche Ernährung hilft.
  • Richtiges Trinkverhalten: Manche ältere Menschen trinken zu wenig aus Angst vor Inkontinenz. Das ist kontraproduktiv, denn konzentrierter Urin reizt die Blase zusätzlich.

Wann professionelle Hilfe wichtig wird

Nicht jede altersbedingte Veränderung des Beckenbodens muss behandelt werden. Leichte Symptome lassen sich oft durch Eigentraining und Lebensstiländerungen in den Griff bekommen. Doch wenn die Beschwerden zunehmen, den Alltag einschränken oder die Lebensqualität deutlich beeinträchtigen, sollte man professionelle Hilfe suchen.

Moderne Diagnostik kann genau feststellen, welche Strukturen betroffen sind und welche Therapie am besten geeignet ist. Neben konservativen Methoden gibt es bei Bedarf auch medikamentöse Therapien oder minimal-invasive operative Verfahren.

Wichtig ist, Beckenbodenbeschwerden nicht als unvermeidliches Schicksal des Alters hinzunehmen. In München und anderen Städten gibt es spezialisierte Praxen, die individuelle Behandlungskonzepte erstellen und auch älteren Menschen helfen können, ihre Lebensqualität zurückzugewinnen.

Der Beckenboden altert mit uns, aber er muss nicht schwach werden. Mit Aufmerksamkeit, gezieltem Training und bei Bedarf professioneller Unterstützung lässt sich die Beckenbodenfunktion bis ins hohe Alter erhalten. Das bedeutet mehr Selbstständigkeit, mehr Sicherheit im Alltag und ein besseres Lebensgefühl – in jedem Alter.