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Urodynamik einfach erklärt
Wer unter Blasenproblemen leidet und ärztliche Hilfe sucht, stößt oft auf den Begriff „Urodynamik“ oder „urodynamische Untersuchung“. Was sich zunächst kompliziert anhört, ist im Grunde eine sehr aufschlussreiche Diagnosemethode, um die Funktion der Blase genau zu verstehen. Bei vielen Formen von Harninkontinenz reicht es nicht aus, nur die Symptome zu kennen – wichtig ist, zu verstehen, was genau in der Blase und den beteiligten Muskeln vor sich geht. Funktioniert die Blase selbst nicht richtig? Liegt das Problem in den Schließmuskeln? Oder sind die Nerven beteiligt? Die Urodynamik gibt Antworten auf diese Fragen, indem sie misst, wie die Blase sich füllt, wie viel Druck dabei entsteht und wie gut der Verschlussmechanismus funktioniert. Dieser Text erklärt verständlich, was bei einer urodynamischen Untersuchung passiert, wann sie sinnvoll ist und was die Ergebnisse bedeuten.
Was ist Urodynamik?
Urodynamik ist ein Überbegriff für verschiedene Untersuchungsmethoden, die die Funktion der Harnblase und der Harnröhre messen. Das Ziel ist herauszufinden, wie gut die Blase Urin speichern und wieder abgeben kann. Anders als bei bildgebenden Verfahren wie Ultraschall geht es nicht darum, die Struktur der Organe zu sehen, sondern ihre Funktion zu messen.
Die Blase ist ein komplexes Organ mit mehreren Aufgaben. Sie muss Urin speichern können, ohne dass Druck entsteht oder Harndrang auftritt. Gleichzeitig muss sie sich zusammenziehen können, um den Urin vollständig zu entleeren. Die Harnröhre wiederum muss beim Speichern dicht verschlossen sein, sich aber beim Wasserlassen öffnen. All diese Vorgänge werden von Muskeln und Nerven gesteuert.
Bei verschiedenen Erkrankungen kann dieses fein abgestimmte System gestört sein. Die Urodynamik hilft, genau zu lokalisieren, wo das Problem liegt.
Wann wird eine urodynamische Untersuchung durchgeführt?
Nicht jeder Patient mit Blasenproblemen benötigt eine urodynamische Untersuchung. Bei vielen Formen von Inkontinenz reichen eine gründliche Anamnese und einfachere Tests aus. Die Urodynamik kommt vor allem dann zum Einsatz, wenn:
- Die genaue Ursache der Inkontinenz unklar ist
- Mehrere Formen von Inkontinenz gleichzeitig vorliegen könnten
- Frühere Behandlungen nicht erfolgreich waren
- Eine Operation geplant ist und man die genaue Diagnose absichern möchte
- Neurologische Erkrankungen die Blasenfunktion beeinflussen könnten
- Die Blase sich nicht vollständig entleert
In spezialisierten Praxen wie der Praxis Dr. Dorigoni in München wird die Untersuchung nur durchgeführt, wenn sie wirklich notwendig ist und einen klaren diagnostischen Nutzen bringt.
Wie läuft eine urodynamische Untersuchung ab?
Eine urodynamische Untersuchung besteht aus mehreren Teilen, die nacheinander oder kombiniert durchgeführt werden können.
Uroflowmetrie – Messung des Harnflusses
Der einfachste Teil der Untersuchung ist die Uroflowmetrie. Dabei uriniert der Patient auf eine spezielle Toilette, die mit Messgeräten ausgestattet ist. Diese messen die Menge des Urins pro Sekunde und zeichnen eine Flusskurve auf.
Eine normale Flusskurve zeigt einen schnellen Anstieg, ein kurzes Plateau und dann einen raschen Abfall. Bei Abflussstörungen, etwa durch eine vergrößerte Prostata, ist die Kurve flacher und die Entleerung dauert länger. Die Uroflowmetrie ist schmerzfrei und gibt erste wichtige Hinweise.
Zystometrie – Blasendruckmessung
Die Zystometrie ist der Hauptteil der urodynamischen Untersuchung. Dabei wird über einen dünnen Katheter, der durch die Harnröhre in die Blase eingeführt wird, langsam sterile Flüssigkeit eingefüllt. Gleichzeitig misst ein Drucksensor in der Blase den Druck, der während der Füllung entsteht.
Zusätzlich wird oft ein zweiter, sehr dünner Katheter in die Scheide oder den Enddarm eingeführt, um den Druck im Bauchraum zu messen. So kann man den reinen Blasendruck vom äußeren Druck unterscheiden.
Während der Füllung wird der Patient gebeten mitzuteilen, wann er den ersten Harndrang spürt und wann dieser stark wird.
Was wird gemessen?
Bei der Zystometrie werden verschiedene Parameter erfasst:
- Blasenkapazität: Wie viel Urin kann die Blase speichern?
- Compliance: Wie dehnbar ist die Blasenwand?
- Detrusoraktivität: Zieht sich die Blasenmuskulatur unwillkürlich zusammen?
- Harndrang: Bei welcher Füllmenge tritt der erste Drang auf?
- Verschlussdruck: Wie gut verschließt die Harnröhre?
Provokationstests
Während der Untersuchung kann der Arzt verschiedene Provokationstests durchführen. Der Patient wird beispielsweise gebeten zu husten, zu pressen oder aufzustehen. Dabei zeigt sich, ob Urin verloren geht und bei welchem Druck das passiert. Diese Tests helfen, Belastungsinkontinenz zu diagnostizieren und ihren Schweregrad einzuschätzen.
Am Ende der Untersuchung wird der Patient gebeten, die Blase zu entleeren, während weiterhin die Drücke gemessen werden. So kann man feststellen, ob die Blasenmuskulatur kräftig genug kontrahiert und ob ein Abflusshindernis vorliegt.
Was die Ergebnisse bedeuten
Die urodynamische Untersuchung liefert eine Fülle von Daten, die der Arzt interpretieren muss. Hier einige typische Befunde:
Normale Blasenfunktion: Die Blase füllt sich ohne Druckanstieg, es treten keine unwillkürlichen Kontraktionen auf, die Kapazität ist normal (300 bis 500 ml), und die Entleerung erfolgt mit gutem Fluss.
Belastungsinkontinenz: Bei Druckerhöhung im Bauchraum geht Urin verloren, der Verschlussdruck der Harnröhre ist zu niedrig. Die Blasenfunktion selbst ist meist normal.
Überaktive Blase: Während der Füllung treten unwillkürliche Kontraktionen auf. Der Patient verspürt plötzlichen, starken Harndrang. Die Blasenkapazität ist oft reduziert.
Abflussstörung: Der Harnfluss ist schwach, trotz starker Kontraktion der Blasenmuskulatur. Der Druck beim Wasserlassen ist erhöht. Dies kann auf eine Prostatavergrößerung oder eine Harnröhrenverengung hinweisen.
Neurogene Blasenstörung: Bei neurologischen Erkrankungen zeigen sich oft komplexe Muster mit gestörter Koordination zwischen Blasenmuskulatur und Schließmuskeln.
Ist die Untersuchung unangenehm?
Viele Patienten haben Angst vor der urodynamischen Untersuchung. Tatsächlich ist die Untersuchung nicht schmerzhaft, aber sie kann als unangenehm empfunden werden.
Das Einführen der dünnen Katheter ist vergleichbar mit dem Legen eines normalen Blasenkatheters – ein kurzes, unangenehmes Gefühl, das schnell vorübergeht. Während der eigentlichen Messung spürt man hauptsächlich die zunehmende Blasenfüllung und den Harndrang. Die meisten Patienten berichten, dass die Untersuchung weniger schlimm war als befürchtet.
Die gesamte Untersuchung dauert etwa 30 bis 60 Minuten. Danach kann man sofort nach Hause gehen. In den ersten Stunden nach der Untersuchung kann das Wasserlassen leicht brennen – das ist normal und vergeht schnell.
Der diagnostische Nutzen
Die urodynamische Untersuchung ist eines der genauesten Verfahren, um Blasenfunktionsstörungen zu diagnostizieren. Sie hilft, die richtige Therapie zu finden und unnötige Behandlungen zu vermeiden. Besonders vor geplanten Operationen ist sie wichtig, um sicherzustellen, dass der Eingriff das vorliegende Problem beheben kann.
Für Patienten bedeutet eine klare Diagnose auch Gewissheit. Viele Menschen mit Blasenproblemen haben eine Odyssee hinter sich, bevor die richtige Diagnose gestellt wird. Die Urodynamik kann diese Unsicherheit beenden und den Weg für eine zielgerichtete, erfolgreiche Behandlung ebnen.
Wer unter anhaltenden Blasenproblemen leidet, sollte nicht zögern, mit seinem Arzt über eine urodynamische Untersuchung zu sprechen. Spezialisierte Praxen führen diese Untersuchung routinemäßig durch und können die Ergebnisse kompetent interpretieren.



