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Emsella Wirkung wissenschaftlich betrachtet
Der Emsella Stuhl verspricht eine einfache Lösung für ein komplexes Problem: Blasenschwäche und Beckenbodenbeschwerden sollen durch einfaches Sitzen auf einem Stuhl behandelt werden können – vollständig bekleidet und ohne jede Anstrengung. Was zunächst zu schön klingt, um wahr zu sein, wirft berechtigte Fragen auf: Funktioniert das wirklich? Gibt es wissenschaftliche Belege für die Wirksamkeit? Wie genau wirkt die elektromagnetische Technologie auf den Beckenboden? In der modernen Medizin zählen Fakten und Studienergebnisse, nicht Werbeversprechen. Glücklicherweise gibt es mittlerweile eine solide wissenschaftliche Grundlage zur Emsella-Therapie. Verschiedene Studien haben die Wirksamkeit untersucht und dabei beeindruckende Ergebnisse erzielt. Dieser Text beleuchtet die wissenschaftlichen Grundlagen der Emsella-Technologie, fasst wichtige Studienergebnisse zusammen und erklärt, was Patienten realistisch erwarten können – basierend auf Fakten, nicht auf Marketing.
Die technologische Grundlage: HIFEM
Der Emsella Stuhl arbeitet mit einer Technologie namens HIFEM – hochintensive fokussierte elektromagnetische Technologie. Diese Bezeichnung beschreibt präzise, was im Inneren des Geräts passiert: Starke elektromagnetische Felder werden gezielt auf die Beckenbodenregion ausgerichtet.
Wie elektromagnetische Wellen Muskeln stimulieren
Elektromagnetische Felder können durch Gewebe hindurch elektrische Ströme induzieren. Diese Ströme erreichen die Nervenbahnen, die normalerweise für die Muskelsteuerung zuständig sind, und lösen Muskelkontraktionen aus. Der entscheidende Unterschied zu herkömmlicher Elektrostimulation mit Hautelektroden ist die Durchdringungstiefe. Die elektromagnetischen Wellen erreichen auch tief liegende Muskelschichten, ohne dass die Haut direkt stimuliert werden muss.
Die Intensität der Felder ist so hoch, dass sie supramaximale Kontraktionen auslösen. Das bedeutet: Die Muskelanspannung übertrifft das, was durch willentliche Anstrengung erreicht werden kann. Normalerweise aktiviert unser Nervensystem bei bewusster Muskelanspannung nie alle Muskelfasern gleichzeitig – ein Schutzmechanismus gegen Überlastung. Die elektromagnetische Stimulation umgeht diesen Mechanismus und aktiviert einen deutlich höheren Prozentsatz der Muskelfasern.
Während einer 28-minütigen Sitzung werden etwa 11.000 solcher Kontraktionen ausgelöst. Diese hohe Zahl und die Intensität der Kontraktionen sollen zu einem Muskelaufbau führen, der mit klassischem Training nicht in dieser Geschwindigkeit erreicht werden kann.
Studienlage zur Wirksamkeit
Die wissenschaftliche Evidenz für die Emsella-Therapie hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert. Mehrere klinische Studien haben die Wirksamkeit bei verschiedenen Formen von Inkontinenz untersucht.
Studien zu Belastungsinkontinenz
Eine der größten Studien zur Emsella-Therapie wurde 2018 veröffentlicht und untersuchte 75 Frauen mit Belastungsinkontinenz. Die Teilnehmerinnen erhielten sechs Behandlungen über drei Wochen verteilt. Die Ergebnisse waren bemerkenswert: 95 Prozent der Frauen berichteten von einer Verbesserung ihrer Lebensqualität, 75 Prozent erlebten eine signifikante Reduktion ihrer Inkontinenzsymptome.
Objektive Messungen mittels Pad-Tests, bei denen die tatsächliche Menge des Urinverlusts gemessen wird, bestätigten diese subjektiven Verbesserungen. Die Patientinnen verloren durchschnittlich 75 Prozent weniger Urin nach der Behandlung.
Eine weitere Studie aus dem Jahr 2020 verglich die Emsella-Therapie mit klassischem Beckenbodentraining. Beide Gruppen zeigten Verbesserungen, aber die Emsella-Gruppe erreichte die Ergebnisse in kürzerer Zeit und mit weniger Aufwand für die Patientinnen.
Studien zu Dranginkontinenz
Auch bei Dranginkontinenz, also dem plötzlichen, kaum kontrollierbaren Harndrang, zeigen Studien positive Effekte. Eine Untersuchung von 2019 mit 50 Patientinnen zeigte, dass 67 Prozent nach der Behandlung eine deutliche Reduktion der Drangepisoden erlebten. Die Frequenz der Toilettengänge reduzierte sich im Durchschnitt um 30 Prozent.
Diese Ergebnisse überraschten zunächst, da Dranginkontinenz eigentlich nicht primär mit Beckenbodenschwäche zusammenhängt, sondern mit einer überaktiven Blase. Die Erklärung liegt in der verbesserten neuromuskulären Kontrolle: Der gestärkte Beckenboden kann den Harndrang besser unterdrücken, und die intensive Stimulation scheint auch die Nervenbahnen positiv zu beeinflussen.
Langzeitstudien und Nachhaltigkeit
Eine wichtige Frage ist, wie lange die Effekte anhalten. Eine Nachbeobachtungsstudie über zwölf Monate zeigte, dass die Verbesserungen bei den meisten Patientinnen auch Monate nach der Behandlung bestehen blieben. Allerdings berichteten einige von einer leichten Abschwächung der Effekte nach sechs bis neun Monaten. Auffrischungsbehandlungen konnten die Wirkung wieder verstärken.
Wirkungsmechanismen auf zellulärer Ebene
Die Frage ist nicht nur, ob Emsella wirkt, sondern auch, wie genau die Wirkung zustande kommt. Wissenschaftler haben verschiedene Mechanismen identifiziert.
Muskelaufbau und Muskelhypertrophie
Die intensiven Kontraktionen führen zu mikroskopisch kleinen Schäden an den Muskelfasern – ähnlich wie beim Krafttraining im Fitnessstudio. Der Körper repariert diese Schäden und baut die Muskelfasern dabei stärker wieder auf. Dieser Prozess nennt sich Muskelhypertrophie.
Studien mit bildgebenden Verfahren konnten zeigen, dass nach einer Behandlungsserie tatsächlich eine messbare Verdickung der Beckenbodenmuskulatur stattfindet. Die Muskelquerschnittsfläche nimmt zu, was die verbesserte Kraft erklärt.
Verbesserung der neuromuskulären Kontrolle
Neben dem reinen Muskelaufbau verbessert sich auch die Koordination zwischen Nerven und Muskeln. Die intensive Stimulation trainiert die Nervenbahnen, die Muskulatur effizienter anzusteuern. Patientinnen berichten häufig, dass sie nach der Behandlung ihren Beckenboden erstmals richtig spüren und bewusst ansteuern können.
Diese verbesserte Wahrnehmung ist ein wichtiger Nebeneffekt, der erklärt, warum viele Frauen nach der Emsella-Therapie mit klassischem Beckenbodentraining besser zurechtkommen als vorher.
Was die Studien nicht zeigen
Bei aller Euphorie über positive Studienergebnisse ist wissenschaftliche Ehrlichkeit wichtig. Die Forschung zur Emsella-Therapie hat auch Lücken und Limitationen.
Die meisten Studien haben relativ kleine Teilnehmerzahlen – zwischen 30 und 100 Personen. Größere, multizentrische Studien wären wünschenswert, um die Ergebnisse zu bestätigen. Auch die Langzeitdaten über mehrere Jahre hinweg sind noch begrenzt.
Zudem fehlen direkte Vergleichsstudien zu anderen etablierten Therapien wie operativen Verfahren oder medikamentösen Behandlungen. Die meisten Vergleiche beschränken sich auf die Gegenüberstellung mit Beckenbodentraining.
Ein weiterer Punkt: Viele Studien werden von den Herstellern der Geräte finanziert. Das macht die Ergebnisse nicht automatisch ungültig, aber unabhängige Studien wären wünschenswert.
Praktische Bedeutung für Patienten
Was bedeuten die wissenschaftlichen Erkenntnisse für Menschen, die unter Inkontinenz leiden? Die Studienlage zeigt, dass die Emsella-Therapie eine wirksame Behandlungsoption ist, besonders für:
- Frauen mit leichter bis mittelschwerer Belastungsinkontinenz
- Personen, die Schwierigkeiten mit klassischem Beckenbodentraining haben
- Menschen, die eine nicht-invasive Alternative zu operativen Verfahren suchen
- Frauen nach der Geburt mit postpartaler Inkontinenz
Die Erfolgsraten von 70 bis 80 Prozent sind beeindruckend, bedeuten aber auch, dass nicht alle Patienten gleich gut ansprechen. Etwa jeder fünfte Patient erlebt keine ausreichende Verbesserung und benötigt andere Therapieformen.
In München bietet beispielsweise die Praxis Dr. Dorigoni die Emsella-Therapie an. Dort wird vor der Behandlung eine gründliche Diagnostik durchgeführt, um festzustellen, ob die Therapie im individuellen Fall geeignet ist. Diese individuelle Einschätzung ist wichtig, denn die Studienergebnisse spiegeln Durchschnittswerte wider – der einzelne Patient kann besser oder schlechter ansprechen.
Die Wissenschaft entwickelt sich weiter
Die Forschung zur elektromagnetischen Muskelstimulation steht nicht still. Neue Studien untersuchen optimierte Behandlungsprotokolle, längere Behandlungszyklen oder die Kombination mit anderen Therapieformen. Auch weitere Anwendungsgebiete werden erforscht, etwa bei Beckenbodenschmerzen oder zur Prävention von Inkontinenz.
Die wissenschaftliche Evidenz zur Emsella-Therapie ist solide und wächst stetig. Die Technologie basiert auf nachvollziehbaren physikalischen Prinzipien, und die Wirksamkeit wurde in mehreren Studien nachgewiesen. Für viele Patienten stellt die Emsella-Therapie eine echte Bereicherung der Behandlungsmöglichkeiten dar – eine Brücke zwischen konservativem Training und invasiven Eingriffen. Die Wissenschaft bestätigt: Die Methode funktioniert, wenn auch nicht bei jedem gleich gut.



