Inkontinenz bei Frauen

Harninkontinenz ist für viele Frauen ein belastendes Thema, über das sie nur ungern sprechen. Dabei sind sie damit keineswegs allein: Schätzungen zufolge leidet etwa jede dritte Frau im Laufe ihres Lebens unter unwillkürlichem Urinverlust. Trotz dieser Häufigkeit herrscht oft Schweigen – aus Scham, aus falscher Zurückhaltung oder weil Betroffene glauben, Blasenschwäche gehöre eben zum Frau-Sein oder zum Älterwerden dazu. Doch das stimmt nicht. Inkontinenz ist ein behandelbares Problem, für das es heute vielfältige und wirksame Therapieansätze gibt. Von gezieltem Beckenbodentraining über innovative Methoden wie den Emsella Stuhl bis hin zu operativen Verfahren – die moderne Medizin bietet Lösungen für nahezu jeden Fall. Der erste und wichtigste Schritt ist, das Schweigen zu brechen und sich fachkundige Hilfe zu holen.

Warum sind Frauen häufiger betroffen?

Die weibliche Anatomie bringt einige Besonderheiten mit sich, die das Risiko für Harninkontinenz erhöhen. Die Harnröhre ist bei Frauen deutlich kürzer als bei Männern – etwa drei bis vier Zentimeter im Vergleich zu 20 Zentimetern. Das bedeutet, dass der Verschlussmechanismus weniger „Strecke“ hat, um den Urin zurückzuhalten. Zudem liegt die weibliche Blase tiefer im Becken und wird von den Beckenbodenorganen stärker beeinflusst.

Der Beckenboden selbst ist bei Frauen größeren Belastungen ausgesetzt als bei Männern. Schwangerschaften und Geburten dehnen die Muskulatur und das Bindegewebe, manchmal kommt es zu kleinen Rissen oder Nervenschädigungen. Auch hormonelle Veränderungen spielen eine Rolle: In den Wechseljahren sinkt der Östrogenspiegel, was die Elastizität von Gewebe und Schleimhäuten beeinträchtigt. Die Harnröhre wird weniger gut abgedichtet, die Beckenbodenmuskulatur verliert an Spannkraft.

Diese biologischen Faktoren bedeuten nicht, dass Frauen Inkontinenz einfach hinnehmen müssen. Sie erklären aber, warum das Problem bei Frauen häufiger auftritt und warum gezielte Prävention und Behandlung so wichtig sind.

Die verschiedenen Formen der Inkontinenz

Harninkontinenz ist nicht gleich Harninkontinenz. Es gibt verschiedene Formen, die jeweils unterschiedliche Ursachen haben und entsprechend auch unterschiedlich behandelt werden müssen. Die richtige Diagnose ist deshalb entscheidend für den Therapieerfolg.

Belastungsinkontinenz – die häufigste Form

Die Belastungsinkontinenz, auch Stressinkontinenz genannt, ist bei Frauen die mit Abstand häufigste Form. Dabei geht bei körperlicher Anstrengung unwillkürlich Urin ab – typischerweise beim Husten, Niesen, Lachen, Treppensteigen oder beim Heben schwerer Gegenstände. Je nach Schweregrad kann schon das Aufstehen aus dem Sitzen ausreichen.

Ursache ist eine Schwäche der Beckenbodenmuskulatur und des Bindegewebes, die die Harnröhre nicht mehr ausreichend verschließen können. Wenn der Druck im Bauchraum plötzlich steigt, etwa beim Husten, drückt er auf die Blase. Normalerweise würde der Beckenboden diesem Druck standhalten – bei einer Schwäche schafft er das nicht mehr.

Besonders betroffen sind Frauen nach Geburten, übergewichtige Frauen und Frauen nach den Wechseljahren. Auch schwere körperliche Arbeit oder intensiver Sport mit vielen Sprüngen können den Beckenboden auf Dauer belasten.

Dranginkontinenz – wenn die Blase sich meldet

Bei der Dranginkontinenz kommt es zu einem plötzlichen, kaum kontrollierbaren Harndrang. Die Blase meldet sich immer artig, obwohl sie oft noch gar nicht besonders voll ist. Viele Betroffene schaffen es nicht mehr rechtzeitig zur Toilette. Häufig müssen sie auch nachts mehrmals aufstehen.

Die Ursache liegt meist in einer überaktiven Blase. Die Blasenmuskulatur zieht sich zusammen, obwohl das noch nicht nötig wäre. Warum das passiert, kann verschiedene Gründe haben – neurologische Erkrankungen, Entzündungen, hormonelle Veränderungen oder auch psychische Faktoren wie Stress und Angst.

Mischformen und andere Arten

Nicht selten tritt eine Mischinkontinenz auf, bei der sowohl Symptome der Belastungs- als auch der Dranginkontinenz vorhanden sind. Diese Kombination macht die Behandlung etwas komplexer, da verschiedene Therapieansätze miteinander kombiniert werden müssen.

Seltener sind die Überlaufinkontinenz, bei der die Blase nie richtig entleert werden kann, oder die Reflexinkontinenz nach neurologischen Schädigungen. Auch Stuhlinkontinenz kann bei Frauen auftreten, oft in Verbindung mit Harninkontinenz, wenn der Beckenboden insgesamt geschwächt ist.

Risikofaktoren und Auslöser

Manche Frauen tragen ein höheres Risiko für Harninkontinenz als andere. Zu den wichtigsten Risikofaktoren gehören:

  • Schwangerschaften und Geburten, besonders bei hohem Geburtsgewicht oder langen Geburten
  • Übergewicht, da es den Beckenboden dauerhaft belastet
  • Chronische Verstopfung mit ständigem Pressen beim Stuhlgang
  • Chronischer Husten, etwa bei Rauchern oder Asthmatikern
  • Schwere körperliche Arbeit oder Hochleistungssport
  • Familiäre Veranlagung zu schwachem Bindegewebe
  • Hormonmangel in und nach den Wechseljahren

Auch bestimmte Medikamente können Blasenschwäche begünstigen oder verschlimmern. Dazu gehören etwa Wassertabletten, manche Blutdrucksenker oder Beruhigungsmittel.

Diagnose und erste Schritte

Wer unter Harninkontinenz leidet, sollte nicht zögern, medizinischen Rat einzuholen. Der erste Ansprechpartner ist meist der Hausarzt oder der Gynäkologe. Spezialisierte Praxen wie die Praxis Dr. Dorigoni in München haben sich gezielt auf Beckenbodenbeschwerden und Inkontinenz spezialisiert und bieten umfassende Diagnostik und Therapie an.

Die Diagnose beginnt mit einem ausführlichen Gespräch. Der Arzt möchte wissen, wann und in welchen Situationen Urin verloren geht, seit wann das Problem besteht, wie stark es ausgeprägt ist und welche weiteren Beschwerden vorliegen. Hilfreich ist ein Miktionstagebuch, in dem über einige Tage Trinkmengen, Toilettengänge und Inkontinenzepisoden notiert werden.

Es folgen verschiedene Untersuchungen: Eine Urinprobe schließt Infektionen aus, eine gynäkologische Untersuchung gibt Aufschluss über den Zustand des Beckenbodens und mögliche Senkungen. Manchmal sind auch speziellere Tests nötig, etwa eine Ultraschalluntersuchung oder eine urodynamische Messung, bei der die Blasenfunktion genau analysiert wird.

Behandlungsmöglichkeiten im Überblick

Die gute Nachricht ist: In den allermeisten Fällen lässt sich Harninkontinenz erfolgreich behandeln. Je nach Form und Schweregrad stehen verschiedene Therapieoptionen zur Verfügung.

Konservative Therapie als Basis

Bei leichter bis mittelschwerer Belastungsinkontinenz ist gezieltes Beckenbodentraining die Therapie der ersten Wahl. Unter Anleitung einer spezialisierten Physiotherapeutin lernen Frauen, ihren Beckenboden wahrzunehmen und gezielt anzuspannen. Studien zeigen Erfolgsraten von etwa 70 Prozent bei konsequentem Training.

Ergänzend können Lebensstiländerungen helfen: Gewichtsreduktion bei Übergewicht, Reduktion von Koffein und kohlensäurehaltigen Getränken, Rauchstopp bei Raucherinnen. Auch Blasentraining, bei dem die Intervalle zwischen den Toilettengängen schrittweise verlängert werden, kann bei Dranginkontinenz wirksam sein.

Moderne Therapieverfahren

Der Emsella Stuhl bietet eine innovative Ergänzung oder Alternative zum klassischen Beckenbodentraining. Während einer 28-minütigen Sitzung werden durch elektromagnetische Wellen etwa 11.000 Beckenbodenkontraktionen ausgelöst – vollständig bekleidet und ohne Anstrengung. Die Methode eignet sich besonders für Frauen, die Schwierigkeiten haben, ihren Beckenboden bewusst anzusteuern, oder die klassisches Training nicht durchführen können.

Bei Dranginkontinenz können Medikamente helfen, die die Blasenmuskulatur entspannen. Auch Biofeedback-Verfahren oder Elektrostimulation kommen zum Einsatz.

Operative Möglichkeiten

Wenn konservative Maßnahmen nicht ausreichen, gibt es operative Optionen. Bei Belastungsinkontinenz ist die TVT-Operation ein häufiges Verfahren. Dabei wird ein kleines Band unter die Harnröhre gelegt, das diese stabilisiert. Der Eingriff ist minimal-invasiv, dauert nur etwa 20 Minuten und zeigt hohe Erfolgsraten.

Auch Unterspritzungen der Harnröhre oder in schweren Fällen die Implantation eines künstlichen Schließmuskels sind möglich. Die Entscheidung für eine Operation sollte gemeinsam mit dem Arzt sorgfältig abgewogen werden.

Leben mit Inkontinenz – und den Weg zur Besserung finden

Harninkontinenz muss keine dauerhafte Einschränkung bleiben. Die allermeisten Frauen können durch geeignete Behandlung ihre Symptome deutlich verbessern oder sogar ganz loswerden. Der wichtigste Schritt ist, das Problem anzusprechen und professionelle Hilfe zu suchen.

Moderne Praxen bieten heute ein breites Spektrum an Behandlungsmöglichkeiten und entwickeln gemeinsam mit den Patientinnen individuelle Therapiepläne. Mit etwas Geduld, Konsequenz und der richtigen Unterstützung lässt sich die Lebensqualität deutlich steigern. Keine Frau muss sich mit Blasenschwäche abfinden oder ihr Leben danach ausrichten.