Viele Menschen wissen gar nicht, dass ein zu hoher Augeninnendruck über Jahre hinweg das Sehvermögen schädigen kann – ohne dass man dabei irgendetwas spürt. Genau das macht den erhöhten Augeninnendruck so gefährlich: Er verläuft in der Regel völlig schmerzlos und bleibt lange unbemerkt. Die Augendruckmessung ist deshalb eine wichtige Vorsorgeuntersuchung, die regelmäßig durchgeführt werden sollte – vor allem bei Menschen mit bestimmten Risikofaktoren. In einer gut ausgestatteten Praxis kann diese Messung direkt vor Ort erfolgen, ohne dass man dafür extra einen Facharzt aufsuchen muss.
Was ist der Augeninnendruck und warum ist er wichtig?
Im Inneren des Auges befindet sich ein spezielles Kammerwasser, das ständig neu gebildet und wieder abgeleitet wird. Dieses System hält den Druck im Auge stabil und sorgt dafür, dass das Auge seine Form behält und optimal funktioniert. Wenn der Abfluss des Kammerwassers gestört ist, steigt der Druck an – und das kann auf Dauer den Sehnerv schädigen.
Ein dauerhaft erhöhter Augeninnendruck ist der wichtigste Risikofaktor für die Entstehung eines Glaukoms, im Volksmund auch „Grüner Star“ genannt. Das Glaukom ist eine der häufigsten Ursachen für Erblindung weltweit. In Deutschland sind schätzungsweise über eine Million Menschen betroffen, viele davon ohne es zu wissen. Der Normbereich des Augeninnendrucks liegt zwischen 10 und 21 mmHg. Werte darüber gelten als erhöht und sollten ärztlich abgeklärt werden.
Wer sollte den Augeninnendruck regelmäßig messen lassen?
Grundsätzlich kann jeder von einer regelmäßigen Augendruckmessung profitieren, besonders aber Personen mit bestimmten Risikofaktoren. Dazu gehören:
- Menschen ab dem 40. Lebensjahr, da das Glaukomrisiko mit dem Alter steigt
- Personen mit einer familiären Vorbelastung für Glaukom
- Patienten mit Diabetes mellitus oder Bluthochdruck
- Menschen mit starker Kurzsichtigkeit
- Personen, die regelmäßig kortisonhaltige Medikamente einnehmen oder Augentropfen mit Kortison anwenden
Wer einer oder mehreren dieser Gruppen angehört, sollte die Augendruckmessung nicht auf die lange Bank schieben. Einmal jährlich reicht in vielen Fällen aus – bei bekannten Risikofaktoren empfiehlt sich eine engmaschigere Kontrolle.
Wie funktioniert die Augendruckmessung?
Es gibt verschiedene Methoden, den Augeninnendruck zu messen. Die gebräuchlichste und für den Patienten angenehmste ist die sogenannte Non-Contact-Tonometrie, bei der ein kurzer Luftstoß auf die Augenoberfläche abgegeben wird. Das klingt unangenehmer, als es ist – der Vorgang dauert nur einen Bruchteil einer Sekunde und ist völlig schmerzlos. Es wird kein Instrument direkt am Auge angesetzt, was viele Patienten als besonders angenehm empfinden.
Non-Contact-Tonometrie
Bei dieser Methode wird das Auge nicht berührt. Ein Gerät bläst einen definierten Luftstoß auf die Hornhaut und misst, wie stark sie sich dabei verformt. Aus dieser Verformung berechnet das Gerät den Augeninnendruck. Die Methode ist schnell, hygienisch und eignet sich gut für Routineuntersuchungen im hausärztlichen Alltag.
Applanationstonometrie
Die Applanationstonometrie gilt als Goldstandard in der Augendruckmessung und wird vor allem in augenärztlichen Fachpraxen eingesetzt. Dabei wird nach Betäubung der Hornhaut mit Augentropfen ein kleines Messgerät direkt auf die Hornhaut aufgesetzt. Die Methode ist sehr präzise und wird vor allem dann eingesetzt, wenn ein Verdacht auf Glaukom besteht oder genaue Verlaufskontrollen nötig sind.
Was passiert nach der Messung?
Liegt der gemessene Wert im Normbereich, ist in der Regel keine weitere Behandlung notwendig. Bei einem erhöhten Wert wird der Arzt das Ergebnis im Gesamtkontext beurteilen: Wie alt ist der Patient? Gibt es Risikofaktoren? Wie sieht der Sehnerv aus? Oft folgt dann eine Überweisung zum Augenarzt zur weiteren Abklärung. Wichtig ist: Ein einzelner erhöhter Messwert bedeutet nicht zwingend, dass ein Glaukom vorliegt – der Augeninnendruck schwankt im Tagesverlauf und kann durch verschiedene Faktoren beeinflusst werden.
Augendruckmessung und Glaukom: Was man wissen sollte
Das Tückische am Glaukom ist, dass Gesichtsfeldausfälle erst spät bemerkt werden. Das menschliche Gehirn ist sehr gut darin, fehlende Informationen zu ergänzen – man „sieht“ also zunächst noch normal, obwohl der Sehnerv bereits Schaden genommen hat. Bis ein Glaukom im Alltag auffällt, ist oft schon ein erheblicher Teil der Sehnerven unwiederbringlich verloren.
Genau deshalb ist die Früherkennung so entscheidend. Ein rechtzeitig erkanntes Glaukom lässt sich in den meisten Fällen gut behandeln – mit Augentropfen, Laserbehandlung oder einem operativen Eingriff. Was nicht mehr rückgängig gemacht werden kann, ist ein bereits eingetretener Sehverlust. Prävention ist hier buchstäblich das Wichtigste.
Neben dem Augeninnendruck spielen bei der Glaukomdiagnostik auch die Untersuchung des Sehnervs und eine Gesichtsfeldmessung eine wichtige Rolle. Diese Untersuchungen gehören in die Hand des Augenarztes, der bei einem begründeten Verdacht hinzugezogen wird. Hausarzt und Augenarzt arbeiten hier Hand in Hand.
Früherkennung lohnt sich
Die Augendruckmessung ist eine schnelle, schmerzlose Untersuchung mit großem Nutzen. Sie dauert nur wenige Minuten und kann helfen, eine ernst zu nehmende Erkrankung rechtzeitig zu erkennen. Wer die Untersuchung regelmäßig wahrnimmt, tut aktiv etwas für den langfristigen Erhalt seines Sehvermögens. In einer modernen Hausarztpraxis gehört die Augendruckmessung zum Spektrum der Vorsorge – gerade dann, wenn der behandelnde Arzt auch augenheilkundlich ausgebildet ist. Wer einen Hausarzt oder Allgemeinarzt in München sucht, der sowohl hausärztliche als auch augenheilkundliche Vorsorge aus einer Hand anbietet, sollte gezielt nach einer entsprechend qualifizierten Praxis Ausschau halten.