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Emsella oder Beckenbodentraining?
Wer unter Blasenschwäche leidet, steht häufig vor der Frage, welcher Weg der richtige ist: das klassische, eigenständige Beckenbodentraining oder die moderne EMSELLA®-Therapie beim Arzt. Beide Ansätze verfolgen ein ähnliches Ziel, unterscheiden sich jedoch deutlich in Wirkweise, Aufwand und Intensität. Ein genauerer Blick auf beide Methoden hilft bei der Entscheidung.
Zwei unterschiedliche Wege zum gleichen Ziel
Sowohl klassisches Beckenbodentraining als auch die EMSELLA®-Therapie verfolgen das Ziel, die Beckenbodenmuskulatur zu stärken und dadurch Beschwerden wie Belastungsinkontinenz oder allgemeine Blasenschwäche zu verbessern. Der grundlegende Unterschied liegt jedoch in der Art, wie diese Kräftigung erreicht wird, und wie intensiv der Trainingsreiz dabei ausfällt.
Beim klassischen Beckenbodentraining übernimmt die betroffene Person selbst die aktive Kontrolle über die Muskelanspannung. Dabei werden gezielt bestimmte Muskelgruppen im Beckenboden angespannt und wieder gelöst, ähnlich wie bei einem herkömmlichen Krafttraining. Die EMSELLA®-Therapie hingegen arbeitet mit elektromagnetischer Stimulation, die die Muskulatur passiv, aber deutlich intensiver zur Kontraktion anregt, als dies durch willentliche Anspannung möglich wäre.
Wie klassisches Beckenbodentraining funktioniert
Beim eigenständigen Beckenbodentraining, häufig auch als Kegel-Übungen bezeichnet, lernt die betroffene Person zunächst, die richtigen Muskelgruppen bewusst wahrzunehmen und gezielt anzuspannen. Das ist gerade am Anfang oft nicht ganz einfach, da der Beckenboden im Alltag kaum bewusst angesteuert wird. Eine korrekte Anleitung, etwa durch physiotherapeutische Unterstützung, kann hier entscheidend sein, um die Übungen tatsächlich wirksam durchzuführen.
Der große Vorteil dieser Methode liegt in der Unabhängigkeit: Die Übungen können jederzeit und überall durchgeführt werden, ohne technische Hilfsmittel oder Praxistermine. Allerdings erfordert diese Trainingsform auch eine hohe Eigendisziplin, da die Übungen über einen längeren Zeitraum regelmäßig, oft mehrmals täglich, wiederholt werden müssen, um einen spürbaren Effekt zu erzielen. Viele Menschen haben Schwierigkeiten, diese Regelmäßigkeit über Wochen und Monate durchzuhalten, insbesondere wenn sich der Erfolg nicht sofort einstellt.
Was EMSELLA® anders macht
Die EMSELLA®-Behandlung nutzt eine sogenannte HIFEM-Technologie, also eine hochintensive fokussierte elektromagnetische Stimulation. Während einer Sitzung von etwa 28 bis 30 Minuten werden dabei tausende supramaximale Muskelkontraktionen ausgelöst, ein Trainingseffekt, der durch bewusste Muskelanspannung in dieser Intensität nicht erreichbar ist. Die Patientin oder der Patient sitzt dabei vollständig bekleidet auf dem speziellen Behandlungsstuhl, während die elektromagnetischen Impulse tief in die Beckenbodenmuskulatur eindringen.
Der entscheidende Unterschied liegt also in der Trainingsintensität: Während beim klassischen Training die maximale Anspannung durch die eigene Willenskraft begrenzt ist, erzeugt EMSELLA® eine deutlich stärkere und tiefere Muskelaktivierung, ohne dass dabei aktive Mitarbeit erforderlich ist.
Vor- und Nachteile im direkten Vergleich
Beide Methoden haben ihre jeweiligen Stärken, die je nach persönlicher Situation unterschiedlich ins Gewicht fallen können.
- Klassisches Beckenbodentraining: Kostenlos und jederzeit durchführbar, erfordert aber Eigendisziplin, korrekte Ausführung und langfristige Regelmäßigkeit für einen spürbaren Effekt
- EMSELLA®-Therapie: Intensiverer Trainingsreiz mit messbaren Ergebnissen bereits nach wenigen Sitzungen, erfordert jedoch Praxistermine und ist mit Kosten pro Sitzung verbunden
Für viele Menschen liegt die beste Lösung nicht in einem strikten Entweder-oder, sondern in einer sinnvollen Kombination beider Ansätze, die sich in der Praxis oft ergänzen lassen.
Wann sich eine Kombination besonders lohnt
Gerade bei stärker ausgeprägter Blasenschwäche oder wenn klassisches Beckenbodentraining allein bislang nicht zum gewünschten Erfolg geführt hat, kann die Kombination beider Methoden sinnvoll sein. Die EMSELLA®-Therapie liefert dabei einen intensiven Trainingsimpuls über eine begrenzte Behandlungsserie von meist sechs bis acht Sitzungen, während anschließend fortgeführtes eigenständiges Beckenbodentraining dabei helfen kann, die erreichten Ergebnisse langfristig zu stabilisieren.
Diese Kombination wird häufig auch dann empfohlen, wenn zeitliche Gründe gegen ein rein eigenständiges Training sprechen, etwa weil die notwendige Regelmäßigkeit im Alltag schwer umsetzbar ist. Die EMSELLA®-Behandlung bietet hier einen strukturierten Rahmen mit festen Terminen, der vielen Menschen leichter fällt als die eigenverantwortliche, tägliche Umsetzung von Übungen.
Welche Methode für wen geeignet ist
Die Entscheidung zwischen beiden Ansätzen sollte immer individuell getroffen werden, idealerweise nach einem ärztlichen Beratungsgespräch. Menschen mit einer eher leichten Beckenbodenschwäche, die diszipliniert und regelmäßig trainieren können, kommen mit klassischem Beckenbodentraining oft gut zurecht. Wer hingegen unter stärkeren Beschwerden leidet, wenig Zeit für regelmäßige eigenständige Übungen findet oder mit dem klassischen Training bislang keine ausreichende Besserung erreicht hat, profitiert häufig von der intensiveren Wirkung der EMSELLA®-Therapie.
Als Facharzt für Allgemeinmedizin in München wird bei der Beratung immer die individuelle Ausgangssituation berücksichtigt, einschließlich der Ursache der Beschwerden, des bisherigen Behandlungsverlaufs und der persönlichen Lebensumstände. Auf dieser Grundlage lässt sich gemeinsam einschätzen, welcher Weg, oder welche Kombination aus beiden Methoden, im individuellen Fall am erfolgversprechendsten ist.
Der passende Weg zu einem starken Beckenboden
Es gibt keine pauschale Antwort auf die Frage, ob EMSELLA® oder klassisches Beckenbodentraining die bessere Wahl ist. Beide Methoden können wirksam sein, je nach Ausgangssituation, persönlichen Vorlieben und den Anforderungen des Alltags. Wer sich unsicher ist, welcher Weg der passende ist, findet bei einem erfahrenen Hausarzt in München eine fundierte Beratung, die beide Optionen realistisch einordnet und gemeinsam mit der betroffenen Person die individuell beste Lösung entwickelt.



