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Reizdarmsyndrom: Ursachen und Behandlung
Blähungen, Bauchschmerzen, Durchfall oder Verstopfung – und das immer wieder über Monate hinweg, obwohl Untersuchungen keine krankhaften Veränderungen zeigen. So oder ähnlich erleben viele Menschen das Reizdarmsyndrom. Es zählt zu den häufigsten Erkrankungen des Verdauungstrakts und kann den Alltag spürbar belasten, lässt sich aber mit der passenden Behandlung oft deutlich lindern.
Was ist ein Reizdarmsyndrom?
Das Reizdarmsyndrom ist eine funktionelle Darmerkrankung, bei der der Darm gestört arbeitet, ohne dass sich eine organische Ursache wie eine Entzündung oder ein Tumor finden lässt. Laut der deutschen Leitlinie spricht man davon, wenn die Beschwerden länger als drei Monate bestehen, mit Veränderungen des Stuhlgangs einhergehen, die Lebensqualität deutlich beeinträchtigen und andere Erkrankungen ausgeschlossen wurden. Schätzungen zufolge ist etwa jeder zehnte Mensch betroffen, Frauen häufiger als Männer.
Welche Beschwerden sind typisch?
Vor allem Bauchschmerzen und Veränderungen des Stuhlgangs, die oft in wechselnder Stärke auftreten. Je nachdem, welche Beschwerden im Vordergrund stehen, unterscheidet man verschiedene Formen:
- Reizdarm mit überwiegendem Durchfall
- Reizdarm mit überwiegender Verstopfung
- Mischtyp, bei dem sich Durchfall und Verstopfung abwechseln
Hinzu kommen häufig Blähungen, ein aufgeblähter Bauch, Völlegefühl und das Gefühl, den Darm nicht vollständig entleert zu haben. Viele Betroffene bemerken, dass sich die Beschwerden nach dem Stuhlgang bessern und in stressigen Phasen zunehmen.
Mögliche Ursachen und Auslöser
Eine einzelne Ursache gibt es nicht, vielmehr wirken meist mehrere Faktoren zusammen. Bei vielen Betroffenen reagiert die Darmwand überempfindlich auf normale Reize wie Dehnung durch Nahrung oder Gase, was Fachleute als viszerale Überempfindlichkeit bezeichnen. Auch die Darmbewegungen können gestört sein und dadurch zu schnell oder zu langsam ablaufen. Eine wichtige Rolle spielt zudem die enge Verbindung zwischen Darm und Gehirn, die sogenannte Darm-Hirn-Achse. Stress und psychische Belastungen beeinflussen über diesen Weg die Verdauung spürbar.
Bei einem Teil der Betroffenen beginnen die Beschwerden nach einer akuten Magen-Darm-Infektion. Studien zufolge entwickelt etwa jeder zehnte Mensch nach einer bakteriellen Darminfektion einen sogenannten postinfektiösen Reizdarm. Diskutiert werden außerdem Veränderungen der Darmflora, leichte Entzündungsprozesse in der Darmschleimhaut sowie Unverträglichkeiten gegenüber bestimmten Nahrungsbestandteilen.
Diagnose durch Ausschluss anderer Erkrankungen
Da sich ein Reizdarm nicht mit einem einzelnen Test nachweisen lässt, steht am Anfang eine sorgfältige Abklärung. Als Hausarzt in München beginnt die Diagnostik mit einem ausführlichen Gespräch über Art, Dauer und Auslöser der Beschwerden, gefolgt von einer körperlichen Untersuchung. Ergänzend kommen eine Blutuntersuchung mit Entzündungswerten, ein Test auf Zöliakie und eine Stuhluntersuchung infrage, etwa die Bestimmung von Calprotectin, das auf eine Darmentzündung hinweisen kann. Ein Ultraschall des Bauchs und Atemtests auf Laktose- oder Fruktoseunverträglichkeit können das Bild abrunden. Je nach Alter und Befund wird zusätzlich eine Darmspiegelung empfohlen.
Hilfreich für das Arztgespräch ist ein Beschwerdetagebuch über zwei bis drei Wochen. Darin werden Mahlzeiten, Stuhlgang, Beschwerden und besondere Belastungen festgehalten. So lassen sich Zusammenhänge erkennen, die im Alltag leicht untergehen, etwa ob bestimmte Lebensmittel oder stressige Tage die Symptome regelmäßig verstärken.
Warnzeichen, die abgeklärt werden müssen
Bestimmte Symptome passen nicht zu einem Reizdarm und sollten immer zeitnah untersucht werden. Dazu gehören Blut im Stuhl, ein ungewollter Gewichtsverlust, Fieber, Durchfall, der nachts aus dem Schlaf weckt, sowie eine Blutarmut. Auch wenn die Beschwerden erstmals nach dem 50. Lebensjahr auftreten oder in der Familie Darmkrebs oder chronisch-entzündliche Darmerkrankungen bekannt sind, ist eine gründliche Abklärung notwendig.
Behandlungsmöglichkeiten im Überblick
Die Behandlung richtet sich nach den Beschwerden, die im Vordergrund stehen, und wird individuell zusammengestellt. Ein wichtiger Baustein ist die Ernährung. Gut untersucht ist die sogenannte Low-FODMAP-Ernährung, bei der für einige Wochen bestimmte schwer verdauliche Kohlenhydrate reduziert werden. Sie stecken unter anderem in Zwiebeln, Knoblauch, Hülsenfrüchten, Weizen, manchen Obstsorten wie Äpfeln und Birnen sowie in laktosehaltigen Milchprodukten. Anschließend werden die Lebensmittel schrittweise wieder eingeführt, um die individuell schlecht verträglichen herauszufinden. Da diese Ernährungsform recht anspruchsvoll ist, empfiehlt sich eine Begleitung durch eine Ernährungsfachkraft.
Bei Verstopfung haben sich lösliche Ballaststoffe wie Flohsamenschalen bewährt. Sie sollten mit einer kleinen Menge begonnen und mit reichlich Flüssigkeit eingenommen werden, damit keine zusätzlichen Blähungen entstehen. Auch bestimmte Probiotika können einen Versuch wert sein, wobei ihre Wirkung nach einigen Wochen überprüft werden sollte.
Gegen krampfartige Schmerzen helfen Pfefferminzöl-Kapseln oder krampflösende Medikamente. Bei Durchfall können stopfende Mittel eingesetzt werden, bei Verstopfung milde Abführmittel. Bei stärkeren Schmerzen verordnen Ärztinnen und Ärzte manchmal niedrig dosierte Medikamente aus der Gruppe der Antidepressiva, die in dieser Dosierung vor allem die Schmerzwahrnehmung im Darm dämpfen. Ergänzend können Entspannungsverfahren, regelmäßige Bewegung und eine darmbezogene Hypnose- oder Psychotherapie die Beschwerden verringern. Als Allgemeinarzt in München wird die Therapie meist schrittweise aufgebaut, um herauszufinden, welche Maßnahmen im Einzelfall tatsächlich helfen.
Ist ein Reizdarm gefährlich?
Nein, das Reizdarmsyndrom erhöht weder das Risiko für Darmkrebs noch verkürzt es die Lebenserwartung. Die Erkrankung ist jedoch keineswegs harmlos im Hinblick auf die Lebensqualität, denn die Beschwerden können Beruf, Freizeit und soziale Kontakte erheblich einschränken. Viele Betroffene erleben außerdem eine große Erleichterung, sobald ernsthafte Erkrankungen ausgeschlossen sind und die Beschwerden einen klaren Namen bekommen.
Wann sollte man ärztlichen Rat suchen?
Sobald Verdauungsbeschwerden länger als einige Wochen anhalten oder immer wiederkehren, ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll. Bei den genannten Warnzeichen sollte der Termin nicht aufgeschoben werden. Eine klare Diagnose bildet die Grundlage, um gemeinsam mit der behandelnden Praxis die passenden Maßnahmen zu finden und den Alltag mit einem Reizdarm wieder deutlich entspannter zu gestalten.



