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Prädiabetes rechtzeitig erkennen
Ein Typ-2-Diabetes entsteht nicht über Nacht. Meist geht ihm eine jahrelange Vorstufe voraus, in der die Blutzuckerwerte bereits erhöht sind, ohne dass Beschwerden auftreten. Diese Phase wird als Prädiabetes bezeichnet und bietet eine wertvolle Chance: Wird sie früh erkannt, lässt sich der Übergang in einen manifesten Diabetes in vielen Fällen verzögern oder sogar ganz verhindern.
Was versteht man unter Prädiabetes?
Prädiabetes bedeutet, dass der Blutzucker über dem Normalbereich liegt, die Grenzwerte für einen Diabetes aber noch nicht erreicht sind. Ursache ist meist eine nachlassende Wirkung des Hormons Insulin, die sogenannte Insulinresistenz. Die Körperzellen reagieren schlechter auf Insulin, weshalb die Bauchspeicheldrüse immer mehr davon produzieren muss, um den Blutzucker zu regulieren. Irgendwann reicht diese Mehrarbeit nicht mehr aus, und die Werte steigen an.
Ohne Gegenmaßnahmen entwickeln Schätzungen zufolge jedes Jahr etwa fünf bis zehn Prozent der Menschen mit Prädiabetes einen Typ-2-Diabetes. Zudem ist bereits in der Vorstufe das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht, weil dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte die Gefäße belasten.
Warum bleibt die Vorstufe oft unbemerkt?
Weil Prädiabetes in aller Regel keinerlei Beschwerden verursacht. Typische Diabetes-Symptome wie starker Durst, häufiges Wasserlassen oder Gewichtsverlust treten erst bei deutlich höheren Blutzuckerwerten auf. Manchmal zeigen sich dunkle, samtartige Hautverfärbungen im Nacken oder in den Achseln, die auf eine Insulinresistenz hinweisen können. Meist fällt die Vorstufe jedoch nur zufällig bei einer Blutuntersuchung auf.
Risikofaktoren im Überblick
Bestimmte Faktoren erhöhen die Wahrscheinlichkeit für einen Prädiabetes deutlich. Dazu gehören:
- Übergewicht, insbesondere vermehrtes Bauchfett
- Bewegungsmangel und eine kalorienreiche, ballaststoffarme Ernährung
- Typ-2-Diabetes bei Eltern oder Geschwistern
- Bluthochdruck und erhöhte Blutfettwerte
- Schwangerschaftsdiabetes in der Vorgeschichte oder ein polyzystisches Ovarialsyndrom
- Ein Alter ab etwa 45 Jahren
Eine erste Einschätzung des persönlichen Risikos ermöglicht der kostenlose Diabetes-Risiko-Test des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung. Er ersetzt allerdings keine Blutuntersuchung.
Diagnose über Blutzucker und HbA1c
Für die Diagnose werden in der Regel ein oder mehrere Laborwerte bestimmt. Häufig verwendet werden folgende Grenzbereiche für einen Prädiabetes:
- Nüchternblutzucker zwischen 100 und 125 mg/dl
- HbA1c zwischen 5,7 und 6,4 Prozent
- Blutzucker zwischen 140 und 199 mg/dl zwei Stunden nach einem oralen Glukosetoleranztest
Der HbA1c-Wert zeigt den durchschnittlichen Blutzucker der vergangenen zwei bis drei Monate und ist unabhängig davon, ob zuvor gegessen wurde. Beim oralen Glukosetoleranztest wird eine definierte Zuckerlösung getrunken und der Blutzucker vorher sowie zwei Stunden danach gemessen. Dieser Test ist etwas aufwendiger, erkennt aber auch Störungen, die sich im Nüchternwert noch nicht zeigen. Als Hausarzt in München wird bei grenzwertigen Ergebnissen meist eine Kontrollmessung durchgeführt, da einzelne Werte durch Infekte oder bestimmte Medikamente beeinflusst sein können.
Die Rolle des Check-ups
Gesetzlich Versicherte haben ab 35 Jahren alle drei Jahre Anspruch auf eine Gesundheitsuntersuchung, bei der auch der Blutzucker bestimmt wird. Damit bietet der Check-up eine einfache Möglichkeit, eine Vorstufe frühzeitig zu entdecken. Bei bekannten Risikofaktoren können engmaschigere Kontrollen sinnvoll sein, unabhängig vom regulären Check-up-Intervall.
Mit Lebensstiländerungen gegensteuern
Die wirksamste Maßnahme bei Prädiabetes ist eine Änderung des Lebensstils. Große Studien wie das amerikanische Diabetes Prevention Program und die finnische Diabetes-Präventionsstudie haben gezeigt, dass sich das Risiko für einen Typ-2-Diabetes durch moderate Gewichtsabnahme und mehr Bewegung um rund 58 Prozent senken lässt. Bereits eine Gewichtsreduktion von fünf bis sieben Prozent des Körpergewichts kann einen spürbaren Effekt haben.
Für die Bewegung gelten etwa 150 Minuten pro Woche als Richtwert, zum Beispiel zügiges Gehen, Radfahren oder Schwimmen. Regelmäßige Muskelarbeit verbessert die Insulinempfindlichkeit der Zellen direkt. Bei der Ernährung helfen viel Gemüse, Vollkornprodukte und Hülsenfrüchte, während zuckerhaltige Getränke und stark verarbeitete Lebensmittel möglichst reduziert werden sollten. In Deutschland steht bei Prädiabetes klar die Lebensstiländerung im Vordergrund. Medikamente werden nur in Einzelfällen erwogen. Als Facharzt für Allgemeinmedizin in München werden die Werte im weiteren Verlauf regelmäßig kontrolliert, um Erfolge sichtbar zu machen und rechtzeitig nachzusteuern.
Lässt sich ein Prädiabetes rückgängig machen?
Ja, in vielen Fällen normalisieren sich die Blutzuckerwerte wieder, wenn Gewicht, Ernährung und Bewegung dauerhaft verbessert werden. Je früher die Vorstufe erkannt wird, desto besser sind die Chancen, da die insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse dann meist noch gut funktionieren. Entscheidend ist allerdings, dass die Veränderungen langfristig beibehalten werden, denn bei einer Rückkehr zu alten Gewohnheiten steigen die Werte häufig erneut an.
Wann sollte man die Blutzuckerwerte prüfen lassen?
Spätestens im Rahmen des Check-ups ab 35 Jahren, bei Risikofaktoren wie Übergewicht, familiärer Vorbelastung oder Bluthochdruck auch früher. Ein Allgemeinarzt in München kann die passenden Laborwerte bestimmen, die Ergebnisse im Zusammenhang mit weiteren Risikofaktoren bewerten und gemeinsam mit der betroffenen Person realistische Ziele festlegen. Eine früh erkannte Vorstufe ist kein Grund zur Sorge, sondern die beste Gelegenheit, einem Diabetes wirksam vorzubeugen.



