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Sehnerventzündung erkennen und behandeln
Innerhalb weniger Tage wird das Sehen auf einem Auge verschwommen, Farben wirken blass und jede Augenbewegung schmerzt: So beginnt bei vielen Betroffenen eine Sehnerventzündung. Die Erkrankung trifft häufig junge Erwachsene und kann ein erstes Anzeichen einer Multiplen Sklerose sein. Eine schnelle Abklärung ist daher wichtig, auch wenn sich die Sehkraft in den meisten Fällen gut erholt.
Was ist eine Sehnerventzündung?
Eine Sehnerventzündung, medizinisch Neuritis nervi optici oder Optikusneuritis, ist eine Entzündung des Nervs, der die Seheindrücke vom Auge zum Gehirn leitet. Durch die Entzündung wird die schützende Hülle der Nervenfasern, die sogenannte Myelinscheide, geschädigt, sodass die Signale nicht mehr richtig weitergeleitet werden. Die Folge ist eine plötzliche Verschlechterung des Sehens, meist auf nur einem Auge.
Je nach Lage der Entzündung unterscheidet man zwei Formen. Bei der häufigeren Retrobulbärneuritis liegt die Entzündung hinter dem Augapfel. Der Augenhintergrund sieht dabei völlig unauffällig aus, weshalb unter Augenärzten der Merksatz gilt: Der Patient sieht nichts, und der Arzt sieht auch nichts. Bei der Papillitis ist dagegen der Sehnervenkopf selbst betroffen und bei der Spiegelung des Augenhintergrunds sichtbar geschwollen. Am häufigsten erkranken Menschen zwischen 20 und 45 Jahren, Frauen deutlich öfter als Männer.
Welche Ursachen stecken dahinter?
In den meisten Fällen eine Autoimmunreaktion, bei der das Immunsystem fälschlicherweise körpereigenes Nervengewebe angreift. Häufig steht die Sehnerventzündung im Zusammenhang mit der Multiplen Sklerose, bei etwa jedem fünften MS-Patienten ist sie sogar das erste Symptom der Erkrankung. Seltener stecken andere entzündliche Erkrankungen des Nervensystems dahinter, etwa die Neuromyelitis-optica-Spektrum-Erkrankung oder die MOG-Antikörper-assoziierte Erkrankung. Auch Infektionen wie Borreliose oder Syphilis, Sarkoidose oder bestimmte Medikamente können eine Sehnerventzündung auslösen.
Typische Beschwerden
Die Symptome entwickeln sich meist innerhalb von Stunden bis wenigen Tagen und erreichen nach etwa ein bis zwei Wochen ihren Höhepunkt. Typisch sind:
- Verschwommenes oder getrübtes Sehen auf einem Auge
- Schmerzen hinter dem Auge, die sich bei Augenbewegungen verstärken
- Blasseres Farbsehen, vor allem Rot wirkt verwaschen
- Ein dunkler oder unscharfer Fleck in der Mitte des Gesichtsfelds
Manche Betroffene bemerken zudem, dass sich das Sehen bei Wärme, etwa unter der Dusche, oder bei körperlicher Anstrengung vorübergehend verschlechtert. Dieses Phänomen wird nach seinem Entdecker Uhthoff-Phänomen genannt.
Diagnose beim Augenarzt
Am Anfang steht eine gründliche augenärztliche Untersuchung. Als Facharzt für Augenheilkunde in München werden dabei Sehschärfe, Farbsehen und Gesichtsfeld geprüft. Besonders aufschlussreich ist der sogenannte Swinging-Flashlight-Test, bei dem abwechselnd beide Augen beleuchtet werden. Reagiert die Pupille des betroffenen Auges schwächer auf Licht, deutet das auf eine Störung des Sehnervs hin. Die Spiegelung des Augenhintergrunds zeigt, ob der Sehnervenkopf geschwollen ist. Ergänzend kann eine optische Kohärenztomographie die Dicke der Nervenfaserschicht vermessen und den Verlauf dokumentieren.
Eine weitere wichtige Untersuchung sind die visuell evozierten Potenziale. Dabei wird gemessen, wie schnell ein Seheindruck im Gehirn ankommt. Bei einer Sehnerventzündung ist die Leitung typischerweise verzögert.
Zusammenarbeit mit der Neurologie
Da eine Sehnerventzündung häufig mit Erkrankungen des gesamten Nervensystems zusammenhängt, gehört die neurologische Abklärung fest dazu. Eine Magnetresonanztomographie von Kopf und Augenhöhlen zeigt, ob bereits weitere Entzündungsherde im Gehirn vorliegen, die auf eine Multiple Sklerose hinweisen. Blutuntersuchungen auf bestimmte Antikörper und Infektionen helfen, seltenere Ursachen zu erkennen. Manchmal wird zusätzlich das Nervenwasser untersucht.
Behandlung und Heilungsverlauf
Viele Sehnerventzündungen bessern sich auch ohne Behandlung innerhalb einiger Wochen. Bei stärkeren Beschwerden wird häufig hochdosiertes Kortison über mehrere Tage als Infusion gegeben. Studien zeigen, dass diese Therapie die Erholung beschleunigt, das endgültige Sehergebnis nach einem Jahr jedoch kaum verändert. Eine alleinige niedrig dosierte Kortisontherapie in Tablettenform wird nicht empfohlen, da sie in Studien mit häufigeren Rückfällen verbunden war. Bei selteneren Formen wie der Neuromyelitis optica kann eine Blutwäsche notwendig sein.
Bei den meisten Betroffenen erholt sich die Sehschärfe innerhalb von Wochen bis Monaten weitgehend. Gewisse Einschränkungen beim Kontrast- und Farbsehen können jedoch zurückbleiben. Als Hausarzt in München ist es wichtig, die Betroffenen auch nach der akuten Phase zu begleiten und die Zusammenarbeit zwischen Augenheilkunde und Neurologie zu koordinieren.
Bedeutet eine Sehnerventzündung immer Multiple Sklerose?
Nein, eine Sehnerventzündung kann auch einmalig auftreten, ohne dass sich später eine Multiple Sklerose entwickelt. Das Risiko hängt stark vom Befund der Magnetresonanztomographie ab. Zeigen sich bereits Entzündungsherde im Gehirn, ist er deutlich höher als bei einem unauffälligen Befund. Wird eine Multiple Sklerose festgestellt, kann eine frühzeitig begonnene Therapie den weiteren Verlauf günstig beeinflussen.
Wann muss man sofort zum Arzt?
Bei jeder plötzlichen Sehverschlechterung, besonders wenn sie mit Schmerzen bei Augenbewegungen oder verändertem Farbsehen einhergeht. Auch bei älteren Menschen mit plötzlichem, schmerzlosem Sehverlust ist eine umgehende Untersuchung notwendig, da hier andere Erkrankungen des Sehnervs infrage kommen, die schnell behandelt werden müssen. Eine rasche Diagnose schafft Klarheit über die Ursache und ermöglicht es, die passende Behandlung ohne Zeitverlust einzuleiten.



