Cholesterinwerte richtig verstehen

Der Cholesterinwert gehört zu den Laborwerten, die beim Check-up fast immer bestimmt werden, doch auf dem Befund stehen gleich mehrere Zahlen. Gesamtcholesterin, LDL, HDL und Triglyceride haben jeweils eine eigene Bedeutung, und ob ein Wert zu hoch ist, hängt stark vom persönlichen Gesundheitsprofil ab. Ein Überblick hilft dabei, die eigenen Ergebnisse besser einzuordnen.

Was ist Cholesterin eigentlich?

Cholesterin ist eine fettähnliche Substanz, die der Körper für zahlreiche lebenswichtige Aufgaben braucht. Es ist Baustein jeder Zellwand und Ausgangsstoff für Hormone wie Cortisol und die Sexualhormone, für Gallensäuren und für Vitamin D. Den größten Teil seines Bedarfs stellt der Körper selbst her, vor allem in der Leber, nur ein kleinerer Teil stammt aus der Nahrung.

Problematisch wird Cholesterin erst, wenn zu viel davon im Blut zirkuliert. Dann kann es sich in den Wänden der Blutgefäße ablagern und dort zur Arteriosklerose beitragen, also zur Verengung und Verhärtung der Arterien. Langfristig steigt dadurch das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Durchblutungsstörungen in den Beinen.

Welche Cholesterinwerte werden gemessen?

In der Regel vier Werte, die zusammen das sogenannte Lipidprofil ergeben. Da Cholesterin nicht wasserlöslich ist, wird es im Blut an Transporteiweiße gebunden, die Lipoproteine:

  • LDL-Cholesterin transportiert Cholesterin von der Leber in die Gewebe. Ein hoher Wert begünstigt Ablagerungen in den Gefäßen, weshalb LDL oft als „schlechtes“ Cholesterin bezeichnet wird.
  • HDL-Cholesterin bringt überschüssiges Cholesterin zurück zur Leber und gilt deshalb als „gutes“ Cholesterin.
  • Gesamtcholesterin fasst alle Anteile zusammen, ist allein aber wenig aussagekräftig.
  • Triglyceride sind Blutfette, die vor allem von Ernährung, Alkohol und Körpergewicht beeinflusst werden.

Ergänzend empfiehlt die Europäische Gesellschaft für Kardiologie, einmal im Leben das Lipoprotein(a) zu bestimmen. Dieser Wert ist weitgehend genetisch festgelegt und kann das Herz-Kreislauf-Risiko unabhängig von den übrigen Werten erhöhen.

Zielwerte hängen vom persönlichen Risiko ab

Einen festen Normwert für LDL, der für alle Menschen gleichermaßen gilt, gibt es nicht. Entscheidend ist das individuelle Herz-Kreislauf-Risiko. Nach den europäischen Leitlinien liegt der Zielwert bei Menschen mit niedrigem Risiko unter 116 mg/dl, bei mittlerem Risiko unter 100 mg/dl und bei hohem Risiko unter 70 mg/dl. Nach einem Herzinfarkt oder bei bestimmten Vorerkrankungen wird sogar ein Wert unter 55 mg/dl angestrebt. Beim HDL gelten bei Männern Werte über 40 mg/dl und bei Frauen über 50 mg/dl als wünschenswert, die Triglyceride sollten unter 150 mg/dl liegen.

Ursachen erhöhter Cholesterinwerte

Häufig tragen Lebensstil und Veranlagung gemeinsam zu erhöhten Werten bei. Eine Ernährung mit vielen gesättigten Fetten, wenig Bewegung, Übergewicht und Rauchen beeinflussen das Lipidprofil ungünstig. Daneben gibt es die familiäre Hypercholesterinämie, eine erbliche Fettstoffwechselstörung, die etwa einen von 250 bis 300 Menschen betrifft und schon in jungen Jahren zu sehr hohen LDL-Werten führt. Auch andere Erkrankungen wie Diabetes, eine Schilddrüsenunterfunktion oder Nierenerkrankungen sowie bestimmte Medikamente können die Blutfette erhöhen.

Ablauf der Blutuntersuchung

Für die Bestimmung genügt eine normale Blutentnahme. Für die Cholesterinwerte selbst ist es nicht zwingend nötig, nüchtern zu sein, die Triglyceride werden durch eine vorangegangene Mahlzeit jedoch deutlich beeinflusst. Deshalb wird die Blutabnahme häufig morgens vor dem Frühstück durchgeführt. Gesetzlich Versicherte haben ab 35 Jahren alle drei Jahre Anspruch auf einen Check-up, bei dem das Lipidprofil enthalten ist, zwischen 18 und 34 Jahren einmalig. Als Hausarzt in München werden die Werte anschließend nicht isoliert betrachtet, sondern zusammen mit Blutdruck, Blutzucker, Rauchstatus und familiärer Vorgeschichte bewertet.

Lebensstil und medikamentöse Behandlung

Die Basis jeder Behandlung bildet ein gesunder Lebensstil. Weniger gesättigte Fette aus Wurst, fettem Fleisch und Butter, dafür mehr Ballaststoffe, Gemüse, Hülsenfrüchte und ungesättigte Fette aus Pflanzenölen oder Nüssen wirken sich positiv auf das LDL aus. Regelmäßige Bewegung, ein Rauchstopp und das Abbauen von Übergewicht verbessern zusätzlich das HDL und die Triglyceride.

Reicht das nicht aus oder ist das persönliche Risiko hoch, kommen Medikamente infrage. Am häufigsten werden Statine eingesetzt, die die Cholesterinbildung in der Leber hemmen. Bei Bedarf können sie mit weiteren Wirkstoffen wie Ezetimib kombiniert werden. Als Facharzt für Allgemeinmedizin in München wird die Therapie regelmäßig über Kontrollwerte überprüft und angepasst.

Spürt man erhöhte Cholesterinwerte?

In aller Regel nicht, denn erhöhte Blutfette verursachen über viele Jahre keinerlei Beschwerden. Erst die Folgen, etwa ein Herzinfarkt oder Schlaganfall, machen sich bemerkbar. Nur bei sehr hohen, meist erblich bedingten Werten können sichtbare Zeichen auftreten, zum Beispiel gelbliche Fettablagerungen an den Augenlidern oder Sehnen. Genau deshalb ist die regelmäßige Laborkontrolle so wichtig.

Wann sollte man die Werte kontrollieren lassen?

Spätestens im Rahmen des Check-ups ab 35 Jahren, bei Risikofaktoren auch früher. Dazu zählen Herzinfarkte oder Schlaganfälle in jungen Jahren in der Familie, Diabetes, Bluthochdruck oder bereits bekannte erhöhte Werte. Ein Allgemeinarzt in München kann die Ergebnisse gemeinsam mit allen übrigen Risikofaktoren einordnen und erklären, welcher Zielwert im eigenen Fall sinnvoll ist. So wird aus einer Reihe von Zahlen auf dem Laborbefund eine verständliche Grundlage für die eigene Herzgesundheit.