Wer nachts Auto fährt und dabei merkt, dass entgegenkommende Scheinwerfer besonders blenden oder dass es schwerfällt, Fußgänger am Straßenrand rechtzeitig zu erkennen, sollte das nicht auf die leichte Schulter nehmen. Schwierigkeiten beim Sehen in der Dämmerung oder im Dunkeln können ein Hinweis auf eine gestörte Dunkeladaptation sein. Das Auge braucht Zeit, um sich von hellem auf dunkles Umgebungslicht umzustellen – bei manchen Menschen funktioniert dieser Prozess nicht mehr richtig. Was dahintersteckt, wie der Test abläuft und wann ein Arztbesuch sinnvoll ist, erklärt dieser Artikel.
Was ist Dunkeladaptation?
Wenn man von einem hellen Raum in einen dunklen wechselt, dauert es eine Weile, bis man wieder etwas erkennen kann. Diesen Vorgang nennt man Dunkeladaptation. Das Auge stellt dabei seine Sehzellen um: Tagsüber sind vor allem die Zapfen aktiv, die für das Farbsehen und scharfe Sehen bei guten Lichtverhältnissen zuständig sind. Bei Dunkelheit übernehmen die Stäbchen, die auf schwaches Licht spezialisiert sind und sich vor allem in der Netzhautperipherie befinden.
Die vollständige Dunkeladaptation dauert beim gesunden Auge etwa 20 bis 30 Minuten. In dieser Zeit steigt die Lichtempfindlichkeit enorm an – das Auge wird bis zu 100 000-mal lichtempfindlicher als im Helladaptationszustand. Dieser Prozess ist abhängig von der Regeneration des Sehpigments Rhodopsin in den Stäbchen, das im Licht „verbraucht“ wird und sich im Dunkeln langsam wieder aufbaut.
Wann ist die Dunkeladaptation gestört?
Eine gestörte Dunkeladaptation äußert sich vor allem durch Schwierigkeiten beim Sehen in schlecht beleuchteten Umgebungen. Betroffene berichten häufig über folgende Beschwerden:
- Starke Blendempfindlichkeit bei entgegenkommenden Scheinwerfern oder Lichtquellen
- Schlechtes Orientierungsvermögen in dunklen Räumen
- Unsicherheit beim nächtlichen Autofahren
- Langsame Erholung nach kurzer Blendung durch helles Licht
- Eingeschränktes Sehen in der Dämmerung, etwa in den frühen Morgenstunden oder am Abend
Diese Beschwerden werden oft als „Nachtblindheit“ bezeichnet, obwohl echte, vollständige Nachtblindheit selten ist. Häufiger handelt es sich um eine verzögerte oder abgeschwächte Dunkeladaptation, die sich schleichend entwickelt und deshalb lange unbemerkt bleibt.
Welche Ursachen kann eine gestörte Dunkeladaptation haben?
Die Gründe für eine eingeschränkte Dunkeladaptation sind vielfältig. Manchmal steckt eine behandelbare Ursache dahinter, manchmal ist es ein schleichender Prozess, der sich über Jahre entwickelt. In jedem Fall lohnt es sich, genauer hinzuschauen.
Vitamin-A-Mangel
Rhodopsin, das wichtigste Sehpigment der Stäbchen, wird aus Vitamin A gebildet. Ein Mangel an diesem Vitamin beeinträchtigt die Regeneration des Sehpigments direkt und ist eine der häufigsten Ursachen für Dunkeladaptationsstörungen weltweit. In Deutschland ist ein ausgeprägter Vitamin-A-Mangel zwar selten, kann aber bei bestimmten Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts, nach bariatrischen Operationen oder bei sehr einseitiger Ernährung auftreten.
Netzhauterkrankungen
Verschiedene Erkrankungen der Netzhaut können die Stäbchen schädigen und damit die Dunkeladaptation beeinträchtigen. Die bekannteste ist die Retinitis pigmentosa, eine genetisch bedingte Erkrankung, bei der die Stäbchen nach und nach absterben. Sie beginnt oft mit einer Verschlechterung des Dämmerungssehens und schreitet im Verlauf fort. Auch die altersbedingte Makuladegeneration und diabetische Retinopathie können das Dämmerungssehen beeinflussen.
Alterungsprozesse und andere Faktoren
Mit zunehmendem Alter verlangsamt sich die Dunkeladaptation natürlicherweise. Die Pupille wird im Alter kleiner und lässt weniger Licht ins Auge, gleichzeitig nimmt die Regenerationsgeschwindigkeit des Rhodopsins ab. Auch eine nicht korrigierte Fehlsichtigkeit, ein beginnendes Glaukom oder Grauer Star können das Sehen bei schlechten Lichtverhältnissen verschlechtern. Manchmal spielen auch Medikamente eine Rolle, etwa bestimmte Mittel gegen erhöhten Augeninnendruck.
Wie wird die Dunkeladaptation getestet?
Der Test zur Messung der Dunkeladaptation heißt Mesoptometrie. Dabei wird mit einem speziellen Gerät, dem Mesoptometer, gemessen, wie gut das Auge bei verschiedenen Lichtstärken sieht und wie schnell es sich nach einer Blendung erholt. Der Test ist schmerzlos und dauert nur wenige Minuten. Er liefert genaue Werte zur Dämmerungssehschärfe und zur Blendempfindlichkeit.
Die Mesoptometrie ist vor allem für bestimmte Berufsgruppen relevant. Berufskraftfahrer, Piloten und Personen, die gefährliche Maschinen bedienen, müssen in der Regel nachweisen, dass ihr Dämmerungssehen den gesetzlichen Anforderungen entspricht. Aber auch für ältere Menschen, die sich unsicher beim nächtlichen Fahren fühlen, oder für Patienten mit bekannten Netzhauterkrankungen ist der Test sinnvoll.
Neben der Mesoptometrie können weitere Untersuchungen durchgeführt werden, um die Ursache einer gestörten Dunkeladaptation einzugrenzen:
- Untersuchung der Netzhaut mit der Funduskamera
- Gesichtsfeldmessung zur Beurteilung der Stäbchenfunktion in der Peripherie
- Blutuntersuchung auf Vitamin-A-Spiegel und andere relevante Werte
- Elektroretinogramm zur Messung der elektrischen Aktivität der Netzhaut
Was tun bei Auffälligkeiten?
Wer beim Dunkeladaptationstest schlechte Werte erzielt oder im Alltag Schwierigkeiten beim Dämmerungssehen bemerkt, sollte die Ursache abklären lassen. Manchmal reicht eine einfache Maßnahme wie die Korrektur einer Fehlsichtigkeit oder die Einnahme von Vitamin A, um die Situation deutlich zu verbessern. Bei einer zugrunde liegenden Netzhauterkrankung ist eine frühzeitige Diagnose entscheidend, um den Verlauf zu verlangsamen und das Sehvermögen möglichst lange zu erhalten.
Für Münchnerinnen und Münchner, die das Dämmerungssehen testen lassen möchten oder Fragen zu ihren Augen haben, ist ein Hausarzt mit augenärztlicher Zusatzqualifikation eine besonders praktische Anlaufstelle – weil sich hier allgemeinmedizinische und ophthalmologische Kompetenz sinnvoll ergänzen. Wer unsicher ist, ob seine Beschwerden abgeklärt werden sollten, kann das Thema beim nächsten Termin beim Allgemeinarzt in München direkt ansprechen.