HIFEM-Technologie erklärt

Wer sich mit moderner Inkontinenzbehandlung oder Beckenbodentherapie beschäftigt, stößt früher oder später auf den Begriff HIFEM. Dahinter verbirgt sich eine Technologie, die in den letzten Jahren zunehmend Einzug in medizinische Praxen gehalten hat – und das aus gutem Grund. HIFEM steht für „High-Intensity Focused Electromagnetic“ und bezeichnet ein Verfahren, das Muskeln durch elektromagnetische Impulse zu intensiven Kontraktionen anregt. Was kompliziert klingt, ist im Grunde ein gezieltes, nicht-invasives Muskeltraining – ohne dass der Patient selbst aktiv werden muss. Dieser Artikel erklärt, wie die Technologie funktioniert, wo sie eingesetzt wird und was Patienten davon erwarten können.

Wie funktioniert HIFEM?

Das Grundprinzip der HIFEM-Technologie basiert auf fokussierten elektromagnetischen Feldern, die tief in das Gewebe eindringen und dort motorische Nervenzellen aktivieren. Diese Nervenzellen lösen wiederum Muskelkontraktionen aus – und zwar sogenannte supramaximale Kontraktionen, also Kontraktionen, die weit über das hinausgehen, was durch willkürliche Anstrengung möglich wäre.

Zum Vergleich: Beim normalen Sport oder bei gezielten Übungen wie Kegelübungen für den Beckenboden kontrahiert der Muskel nie zu hundert Prozent seiner Kapazität. Das Nervensystem schützt den Körper vor Überbelastung und begrenzt die maximale Anspannung. Elektromagnetische Impulse umgehen diesen Schutzmechanismus teilweise und können den Muskel zu einer vollständigen Kontraktion bringen. In einer einzigen 30-minütigen Sitzung werden auf diese Weise Tausende von Kontraktionen ausgelöst – ein Trainingsreiz, der mit konventionellen Methoden schlicht nicht erreichbar ist.

Der entscheidende Vorteil dabei: Die Behandlung erfolgt vollständig nichtinvasiv. Es gibt keine Nadeln, keine Schnitte, keine Narkose. Der Patient sitzt oder liegt bekleidet, während das Gerät seine Arbeit tut.

Wo wird HIFEM eingesetzt?

Die HIFEM-Technologie wurde ursprünglich für die Behandlung von Harninkontinenz und Beckenbodenschwäche entwickelt. Sie ist in diesem Bereich am besten erforscht und hat sich klinisch bewährt. Inzwischen gibt es aber weitere Anwendungsfelder, die medizinisch relevant sind.

Beckenbodentherapie und Inkontinenz

Das bekannteste Gerät in diesem Bereich ist der sogenannte Emsella-Stuhl, auf dem der Patient vollständig bekleidet Platz nimmt. Die elektromagnetischen Impulse durchdringen den Beckenboden und regen die gesamte Beckenbodenmuskulatur zu intensiven Kontraktionen an. Das Ergebnis ist eine deutliche Stärkung der Muskulatur, die die Kontrolle über Blase und Darm verbessert.

Klinische Studien zeigen, dass die Mehrheit der behandelten Patienten nach einer Therapieserie von sechs Sitzungen eine signifikante Verbesserung ihrer Inkontinenzbeschwerden berichtet. Viele Betroffene benötigen danach deutlich weniger Einlagen oder gar keine mehr. Die Behandlung ist besonders geeignet für Menschen mit Belastungsinkontinenz – also unfreiwilligem Urinverlust beim Husten, Niesen oder Sport – sowie für gemischte Formen der Inkontinenz.

Für viele Patientinnen und Patienten ist das ein wichtiger Schritt: Wer lange gezögert hat, zum Allgemeinarzt in München zu gehen, weil das Thema Inkontinenz mit Scham besetzt ist, findet hier eine diskrete und wirksame Behandlungsoption, die ohne Entkleiden und ohne unangenehme Untersuchungen auskommt.

Rehabilitation und Muskelaufbau

Neben der Beckenbodentherapie wird HIFEM auch in der Rehabilitation eingesetzt, etwa nach Operationen oder bei Muskelschwäche durch längere Bettlägerigkeit. Die gezielte Stimulation hilft dabei, Muskelgruppen schneller wieder aufzubauen, als es durch konventionelles Training allein möglich wäre. Auch bei Rückenproblemen, die mit einer geschwächten Rumpfmuskulatur zusammenhängen, wird die Technologie erprobt.

Ästhetische Medizin

Im Bereich der ästhetischen Medizin wird HIFEM zur Straffung und zum Aufbau bestimmter Muskelgruppen eingesetzt. Dieser Bereich ist von der medizinischen Anwendung zu unterscheiden – hier steht nicht die Behandlung einer Erkrankung im Vordergrund, sondern die körperliche Formgebung. Im klinischen Kontext, also bei der Behandlung von Beschwerden, ist die medizinische Anwendung klar im Vordergrund.

Was können Patienten erwarten?

Vor der ersten Sitzung sollte immer ein ärztliches Beratungsgespräch stattfinden. Dabei werden mögliche Kontraindikationen ausgeschlossen – zum Beispiel metallische Implantate im Behandlungsbereich, Herzschrittmacher oder eine bestehende Schwangerschaft. Wer diese Voraussetzungen erfüllt, kann die Behandlung in der Regel bedenkenlos durchführen lassen.

Die Therapie selbst ist für die meisten Patienten angenehm oder zumindest gut tolerierbar. Während der Sitzung spürt man die Kontraktionen deutlich – ein intensives Anspannen und Loslassen, das manche als ungewohnt, aber nicht schmerzhaft empfinden. Die Intensität lässt sich anpassen, sodass jeder Patient individuell eingestellt werden kann.

Folgende Punkte fassen zusammen, was Patienten über die Behandlung wissen sollten:

  • Eine Sitzung dauert etwa 30 Minuten, eine vollständige Therapieserie umfasst in der Regel sechs Sitzungen
  • Die Behandlungen werden zweimal pro Woche an nicht aufeinanderfolgenden Tagen durchgeführt
  • Weder Vorbereitung noch Nachsorge sind erforderlich – man kann direkt nach der Sitzung den Alltag wieder aufnehmen
  • Erste Verbesserungen berichten viele Patienten bereits nach zwei bis drei Sitzungen
  • Die Wirkung entfaltet sich auch noch in den Wochen nach Abschluss der Therapie, da sich die Muskulatur weiter regeneriert und stärkt

Für wen ist HIFEM geeignet?

Die HIFEM-Technologie ist grundsätzlich für ein breites Spektrum an Patienten geeignet – unabhängig von Alter oder Fitnesszustand. Gerade für ältere Menschen, die unter Inkontinenz leiden und keine Operation wünschen, ist sie eine wertvolle Option. Auch Frauen nach Geburten oder in den Wechseljahren, die eine geschwächte Beckenbodenmuskulatur bemerken, profitieren häufig von der Therapie.

In München bieten zunehmend mehr Praxen diese Behandlungsmethode an. Wer Interesse hat oder wissen möchte, ob HIFEM im eigenen Fall sinnvoll ist, spricht das Thema am besten direkt beim Hausarzt in München an – denn eine gute Beratung ist die Grundlage für eine Therapie, die wirklich hilft.