Höhenkrankheit auf Reisen

Wer in großer Höhe wandert, Ski fährt oder eine Bergtour plant, kennt das Risiko oft nur aus Erzählungen: Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel. Die Höhenkrankheit betrifft jedes Jahr zahlreiche Reisende, die zu schnell in große Höhen aufsteigen. Mit dem richtigen Wissen und einer guten Vorbereitung lässt sich das Risiko jedoch deutlich verringern.

Was verursacht die Höhenkrankheit?

Der abnehmende Sauerstoffgehalt der Luft in großen Höhen, an den sich der Körper erst schrittweise anpassen muss. Ab etwa 2.500 Metern über dem Meeresspiegel sinkt der Luftdruck deutlich, wodurch mit jedem Atemzug weniger Sauerstoff aufgenommen wird. Der Körper reagiert darauf normalerweise mit einer schnelleren Atmung und einem erhöhten Puls, um die geringere Sauerstoffkonzentration im Blut auszugleichen. Erfolgt der Aufstieg jedoch zu schnell, bleibt dem Körper nicht genug Zeit für diese natürliche Anpassung, und es kommt zu den typischen Beschwerden der Höhenkrankheit.

Welche Symptome treten dabei auf?

Kopfschmerzen sind meist das erste und häufigste Anzeichen, oft begleitet von Übelkeit, Appetitlosigkeit, Schwindel und einem allgemeinen Gefühl der Erschöpfung. Auch Schlafstörungen in der Höhe gehören zu den typischen Begleiterscheinungen. Diese Beschwerden treten in der Regel innerhalb der ersten sechs bis zwölf Stunden nach Erreichen einer neuen Höhe auf und können, je nach individueller Anpassungsfähigkeit, unterschiedlich stark ausfallen.

In selteneren, aber deutlich gefährlicheren Fällen kann sich die Höhenkrankheit zu einem Hirnödem oder einem Lungenödem weiterentwickeln. Anzeichen dafür sind starke Verwirrtheit, Gangunsicherheit, zunehmende Atemnot auch in Ruhe oder ein rasselndes Atemgeräusch. Solche Symptome sind ein medizinischer Notfall und erfordern einen sofortigen Abstieg in tiefere Lagen sowie ärztliche Hilfe.

Risikogruppen für die Höhenkrankheit

Grundsätzlich kann jeder Mensch von der Höhenkrankheit betroffen sein, unabhängig von Alter, Fitnesszustand oder bisheriger Bergerfahrung. Entscheidend ist vor allem die Aufstiegsgeschwindigkeit, weniger die körperliche Verfassung. Menschen, die bereits einmal an Höhenkrankheit erkrankt sind, haben ein erhöhtes Risiko, bei einem erneuten schnellen Aufstieg wieder Beschwerden zu entwickeln. Auch bestehende Herz- oder Lungenerkrankungen können das Risiko zusätzlich erhöhen, weshalb hier eine besonders sorgfältige Planung sinnvoll ist.

Vorbeugung durch langsamen Aufstieg

Der wichtigste Schutz besteht in einem langsamen, schrittweisen Aufstieg, der dem Körper genügend Zeit zur Anpassung lässt. Als grobe Faustregel gilt, oberhalb von 2.500 Metern nicht mehr als 300 bis 500 Höhenmeter pro Tag zum Schlafplatz zurückzulegen. Zusätzliche Ruhetage zur Akklimatisation, insbesondere bei mehrtägigen Bergtouren oder Trekkingreisen, unterstützen diesen Anpassungsprozess und senken das Risiko spürbar.

Auch die Redewendung „Steig hoch, schlaf niedrig“ hat sich in der Praxis bewährt: Tagesausflüge in größere Höhen sind unproblematischer, solange am Abend wieder in eine niedrigere Lage zum Schlafen abgestiegen wird. Ausreichend Flüssigkeitszufuhr, der Verzicht auf Alkohol in den ersten Tagen und eine kohlenhydratreiche Ernährung unterstützen die körperliche Anpassung zusätzlich.

Weitere vorbeugende Maßnahmen

Neben dem langsamen Aufstieg gibt es einige weitere bewährte Strategien, um das Risiko einer Höhenkrankheit zu senken:

  • Ausreichend Zeit für die Akklimatisation einplanen, statt die Reiseroute zu eng zu takten
  • Bei ersten Symptomen den weiteren Aufstieg pausieren, bis sich der Körper angepasst hat
  • Auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten und schwere, fettreiche Mahlzeiten vermeiden
  • Bei geplanten Reisen in extreme Höhen eine medikamentöse Prophylaxe in Betracht ziehen

Diese Maßnahmen lassen sich gut in die Reiseplanung integrieren und senken das Risiko einer Höhenkrankheit erheblich, ohne den Reisegenuss wesentlich einzuschränken.

Medikamentöse Vorbeugung

Bei geplanten Reisen in sehr große Höhen oder bei einem notwendig schnellen Aufstieg kann eine medikamentöse Prophylaxe mit dem Wirkstoff Acetazolamid sinnvoll sein. Das Medikament unterstützt die natürliche Anpassung des Körpers an die Höhe und kann das Risiko und die Schwere der Symptome deutlich reduzieren. Die Einnahme sollte bereits ein bis zwei Tage vor dem Aufstieg beginnen und wird individuell nach Reiseprofil und persönlicher Vorgeschichte verordnet.

Als Facharzt für Allgemeinmedizin in München wird im reisemedizinischen Beratungsgespräch geklärt, ob eine solche Prophylaxe im individuellen Fall sinnvoll ist, insbesondere bei bereits bekannten Beschwerden aus früheren Höhenaufenthalten oder bei einem besonders sportlichen Reiseprogramm mit wenig Zeit für die natürliche Akklimatisation.

Wann sollte man vor der Reise ärztlichen Rat einholen?

Immer dann, wenn die geplante Reise in Höhen über 2.500 Metern führt, insbesondere bei bereits bekannten Herz-Kreislauf-Erkrankungen, früheren Höhenkrankheitssymptomen oder einem sportlich ambitionierten Reiseprogramm. Ein Beratungsgespräch vor der Abreise hilft, die individuelle Reiseroute realistisch einzuschätzen und gegebenenfalls eine passende Vorbeugung zu besprechen. Als Hausarzt in München wird bei dieser Gelegenheit häufig auch geklärt, ob weitere reisemedizinische Vorbereitungen wie Impfungen oder eine passende Reiseapotheke sinnvoll sind.

Wie reist man sicher in großen Höhen?

Vor allem durch eine realistische Planung, die dem Körper genügend Zeit zur Anpassung lässt, statt die Höhenmeter im Eiltempo zu bewältigen. Wer die eigenen Grenzen respektiert, ausreichend Ruhetage einplant und bei ersten Beschwerden konsequent reagiert, kann die meisten Bergtouren und Höhenreisen gut und sicher erleben. Eine gute reisemedizinische Vorbereitung, kombiniert mit dem Wissen über die ersten Warnzeichen der Höhenkrankheit, bleibt dabei der beste Schutz für einen unbeschwerten Aufenthalt in der Höhe.